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title: "RSI-Indikator bei Krypto: Überkauft und überverkauft lesen, Divergenzen erkennen – mit Bitcoin-Beispielen"
description: "Der RSI misst, wie stark Kursgewinne gegenüber Verlusten überwiegen, auf einer Skala von 0 bis 100. Wir erklären Formel und Einstellungen, zeigen an echten Bitcoin-Daten aus 2025 und 2026, was überkauft, überverkauft und Divergenzen tatsächlich angezeigt haben, und wo der Indikator in die Irre führt."
author: "Blockblatt Redaktion"
published: "2026-11-05T09:56:12.293Z"
updated: "2026-11-05T09:56:12.321Z"
category: "Märkte"
language: "de"
content_type: "editorial"
canonical: "https://blockblatt.com/ratgeber/rsi-indikator-krypto"
tags: ["RSI", "Technische Analyse", "Bitcoin", "Indikatoren", "Divergenz", "Trading"]
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# RSI-Indikator bei Krypto: Überkauft und überverkauft lesen, Divergenzen erkennen – mit Bitcoin-Beispielen

> Redaktioneller Inhalt von Blockblatt.

Der RSI misst, wie stark Kursgewinne gegenüber Verlusten überwiegen, auf einer Skala von 0 bis 100. Wir erklären Formel und Einstellungen, zeigen an echten Bitcoin-Daten aus 2025 und 2026, was überkauft, überverkauft und Divergenzen tatsächlich angezeigt haben, und wo der Indikator in die Irre führt.

Der RSI-Indikator bei Krypto, der Relative Strength Index, zeigt auf einer Skala von 0 bis 100, wie stark die Kursgewinne der letzten Perioden die Verluste überwogen haben. Werte über 70 gelten klassisch als überkauft, Werte unter 30 als überverkauft. Das heißt aber nicht, dass der Kurs dann dreht. Im Bitcoin-Kurs des vergangenen Jahres sieht man beides: Am 6. Februar 2026 fiel der Tages-RSI auf Basis der Euro-Schlusskurse auf 14,5, und Bitcoin sprang am nächsten Tag um rund zwölf Prozent nach oben. Am 22. August 2026 stieg der RSI auf 85, und der Kurs kletterte danach noch knapp zwei Wochen weiter. Der RSI ist damit kein Kauf- oder Verkaufssignal, sondern ein Maß für die Wucht einer Bewegung. Am nützlichsten ist er in Verbindung mit Divergenzen, also wenn Kurs und RSI in unterschiedliche Richtungen laufen. Hier steht, wie der RSI berechnet wird, welche Einstellungen bei Krypto sinnvoll sind, was echte Bitcoin-Beispiele zeigen und wo die Grenzen liegen.

**RSI in Kürze**

- **Name:** Relative Strength Index, entwickelt von J. Welles Wilder, veröffentlicht 1978
- **Skala:** 0 bis 100
- **Standardeinstellung:** 14 Perioden, also 14 Kerzen des gewählten Zeitrahmens
- **Klassische Schwellen:** Über 70 überkauft, unter 30 überverkauft
- **Mittellinie:** 50: darüber überwiegen Gewinne, darunter Verluste
- **Stärkstes Signal:** Divergenz zwischen Kurs und RSI, am aussagekräftigsten auf Tages- und Wochenchart
- **Bitcoin 2026 (Tages-RSI, Euro):** Tief 14,5 am 6. Februar, Hoch 85,0 am 22. August, 38,7 am 1. November
- **Größte Schwäche:** In starken Trends bleibt der RSI lange überkauft oder überverkauft

## Wie der RSI berechnet wird

Der RSI vergleicht durchschnittliche Gewinne mit durchschnittlichen Verlusten. Für jede Periode, bei einem Tageschart also für jeden Tag, wird die Veränderung zum Vortag berechnet. Ist sie positiv, zählt sie als Gewinn, ist sie negativ, als Verlust. Aus den letzten 14 Gewinnen und Verlusten bildet man je einen Durchschnitt. Das Verhältnis der beiden heißt relative Stärke, kurz RS. Der RSI ergibt sich dann aus der Formel 100 minus 100 geteilt durch 1 plus RS. Überwiegen die Gewinne stark, wird RS groß und der RSI nähert sich 100. Überwiegen die Verluste, wird RS klein und der RSI nähert sich 0. Sind Gewinne und Verluste gleich groß, liegt der RSI bei 50.

Wilder hat die Durchschnitte geglättet: Nach der ersten Berechnung wird der neue Durchschnitt aus dem alten mal 13 plus dem neuen Wert, geteilt durch 14, gebildet. Diese sogenannte Wilder-Glättung sorgt dafür, dass ältere Werte langsam an Gewicht verlieren, statt nach 14 Perioden abrupt herauszufallen. Chartprogramme wie TradingView nutzen standardmäßig diese Methode. Ein vereinfachtes Beispiel: Hat Bitcoin in den letzten 14 Tagen im Schnitt 1.200 Euro pro Gewinntag und 600 Euro pro Verlusttag gemacht, gemessen über alle 14 Tage, ist RS gleich 2, und der RSI liegt bei 100 minus 100 geteilt durch 3, also bei rund 66,7.

**Was RSI-Werte bedeuten (Faustregeln)**

|  | Verhältnis Gewinne zu Verlusten | Übliche Lesart |
|---|---|---|
| RSI 90 | Gewinne neunmal so groß wie Verluste | Extrem überkauft, sehr steiler Anstieg |
| RSI 70 | Gewinne gut doppelt so groß | Überkauft, starke Aufwärtsdynamik |
| RSI 50 | Gleich groß | Neutral |
| RSI 30 | Verluste gut doppelt so groß | Überverkauft, starke Abwärtsdynamik |
| RSI 10 | Verluste neunmal so groß | Extrem überverkauft, Ausverkauf |

## Welche Einstellungen bei Krypto sinnvoll sind

Die Standardeinstellung von 14 Perioden hat sich auch bei Kryptowerten durchgesetzt, und es gibt wenig Grund, sie zu ändern, solange du verstehst, was sie misst. Wichtiger als die Periode ist der Zeitrahmen. Ein RSI auf dem Vier-Stunden-Chart beschreibt die Dynamik der letzten gut zwei Tage, einer auf dem Tageschart die der letzten zwei Wochen, einer auf dem Wochenchart die der letzten gut drei Monate. Je kürzer der Zeitrahmen, desto häufiger erreicht der RSI Extremwerte und desto weniger bedeuten sie. Auf dem Vier-Stunden-Chart ist ein RSI unter 20 keine Seltenheit, auf dem Wochenchart ist er ein historisches Ereignis.

Bei Krypto kommt eine Besonderheit hinzu: Der Markt schließt nie. Ein Tageschart braucht deshalb einen festgelegten Tagesschluss, üblicherweise 00:00 Uhr UTC, also 1 Uhr oder 2 Uhr deutscher Zeit. Verschiedene Datenquellen und Börsen setzen den Schluss unterschiedlich, und daraus ergeben sich leicht abweichende RSI-Werte. Die Beispiele in diesem Ratgeber haben wir aus täglichen Euro-Kursen von CoinGecko mit der Wilder-Methode und 14 Perioden selbst berechnet. Auf TradingView mit einem Dollar-Chart einer bestimmten Börse können die Werte um einige Punkte abweichen, die Muster bleiben dieselben.

Manche Händler passen die Schwellen an. In starken Bullenmärkten bewegt sich der RSI oft zwischen 40 und 80, in Bärenmärkten zwischen 20 und 60. Eine verbreitete Lesart lautet deshalb: Im Aufwärtstrend ist ein Rückfall auf 40 bis 50 eine normale Korrektur, im Abwärtstrend ist ein Anstieg auf 50 bis 60 oft schon das Ende einer Erholung. Wer diese Bandbreiten kennt, interpretiert einen RSI von 70 nicht automatisch als Verkaufssignal.

## Beispiel 1: Überverkauft im Februar 2026

Ende Januar 2026 lag Bitcoin bei rund 75.000 Euro, der Tages-RSI bei knapp 39. Dann folgte ein scharfer Abverkauf. Am 1. Februar schloss Bitcoin bei rund 66.400 Euro, der RSI fiel auf 22,9. Fünf Tage später, am 6. Februar, schloss der Kurs bei rund 53.100 Euro, ein Minus von rund 29 Prozent in weniger als zwei Wochen. Der RSI stand bei 14,5, dem niedrigsten Wert unserer Berechnung für die vergangenen zwölf Monate. Am 7. Februar schloss Bitcoin bei rund 59.500 Euro, ein Plus von etwa zwölf Prozent an einem Tag, und der RSI sprang auf 31,6.

Das sieht nach einem Lehrbuchsignal aus, ist es aber nur zur Hälfte. Wer am 1. Februar bei RSI 22,9 gekauft hätte, weil der Markt überverkauft war, hätte bis zum 6. Februar noch einmal rund 20 Prozent verloren. Und auch nach dem Rücksetzer kam keine dauerhafte Erholung: Zwei Wochen später, am 20. Februar, stand Bitcoin bei rund 56.800 Euro, also deutlich unter dem Erholungshoch vom 7. Februar. Die Lehre: Ein RSI unter 30 zeigt, dass der Abverkauf heftig war, nicht dass er vorbei ist. Ein RSI unter 20 auf dem Tageschart zeigt oft eine Erschöpfung an, nach der zumindest eine Gegenbewegung wahrscheinlich ist, aber deren Größe und Dauer sagt er nicht.

**Bitcoin im Februar 2026: Tagesschluss in Euro und RSI(14)**

|  | Schlusskurs (rund) | RSI(14) |
|---|---|---|
| 25\. Januar | 75.200 Euro | 38,6 |
| 1\. Februar | 66.400 Euro | 22,9 |
| 5\. Februar | 62.000 Euro | 21,5 |
| 6\. Februar | 53.100 Euro | 14,5 |
| 7\. Februar | 59.500 Euro | 31,6 |
| 13\. Februar | 55.800 Euro | 28,0 |
| 20\. Februar | 56.800 Euro | 34,0 |

## Beispiel 2: die bullische Divergenz im Juni und Juli 2026

Eine Divergenz entsteht, wenn der Kurs ein neues Extrem macht, der RSI aber nicht. Bei einer bullischen Divergenz fällt der Kurs auf ein tieferes Tief, während der RSI ein höheres Tief bildet. Das bedeutet: Der Kurs ist zwar weiter gefallen, aber mit weniger Wucht als beim vorherigen Tief. Der Verkaufsdruck lässt nach. Genau dieses Muster zeigte Bitcoin im Frühsommer 2026, und es markierte im Nachhinein das Jahrestief.

Anfang Juni fiel Bitcoin innerhalb weniger Tage von rund 63.000 auf 52.800 Euro, am 7. Juni stand der RSI bei 16,8. Danach erholte sich der Kurs bis Mitte Juni auf rund 57.000 Euro, fiel aber Ende Juni erneut. Am 1. Juli schloss Bitcoin bei rund 51.500 Euro, also unter dem Tief vom 7. Juni. Der RSI stand an diesem Tag aber bei 31,9, fast doppelt so hoch wie beim ersten Tief. Das war eine klassische bullische Divergenz. Eine Woche später notierte Bitcoin bei rund 56.100 Euro, und der 1. Juli blieb der niedrigste Tagesschluss der folgenden vier Monate. Im August stieg der Kurs auf fast 69.000 Euro.

**Bullische Divergenz: zwei Tiefs im Vergleich**

|  | Schlusskurs (rund) | RSI(14) | Lesart |
|---|---|---|---|
| 7\. Juni 2026 | 52.800 Euro | 16,8 | Erstes Tief, extremer Abverkauf |
| 1\. Juli 2026 | 51.500 Euro | 31,9 | Tieferes Kurstief, höheres RSI-Tief: Divergenz |
| 7\. Juli 2026 | 56.100 Euro | 54,7 | Erholung, RSI über 50 |

Ehrlicherweise muss man sagen: Dass die Divergenz funktioniert hat, weiß man erst hinterher. Zwischen Mitte Juli und Mitte August lief Bitcoin seitwärts zwischen rund 54.000 und 56.000 Euro, und wer auf eine schnelle Rallye gesetzt hatte, brauchte Geduld. Divergenzen scheitern auch, vor allem wenn sie sich mehrfach hintereinander bilden, während der Kurs immer weiter fällt. Ein Hinweis, der Händlern hilft: Eine Divergenz gilt erst als bestätigt, wenn der Kurs danach ein vorheriges Zwischenhoch überwindet oder der RSI über 50 steigt. Am 1. Juli selbst war das noch nicht der Fall.

## Beispiel 3: überkauft im August 2026, und der Kurs stieg weiter

Mitte August 2026 stand Bitcoin bei rund 54.500 Euro, der RSI um 40. Innerhalb einer Woche folgte ein steiler Anstieg: Am 22. August schloss Bitcoin bei rund 67.100 Euro, ein Plus von über 20 Prozent, und der RSI erreichte 85,0, den höchsten Wert unserer Berechnung für das vergangene Jahr. Nach der klassischen Lesart war Bitcoin extrem überkauft. Wer deswegen verkauft hätte, hätte trotzdem Gewinne verpasst: Am 28. August schloss Bitcoin bei rund 68.900 Euro, am 4. September bei rund 69.900 Euro.

Interessant ist, was der RSI dabei tat. Während der Kurs am 28. August und am 4. September neue Hochs erreichte, lag der RSI bei 81,4 und dann bei 73,7, also jeweils niedriger als am 22. August. Das ist eine bärische Divergenz: höhere Kurshochs, tiefere RSI-Hochs. Die Folge war allerdings nur eine kleine Korrektur auf rund 65.900 Euro am 11. September, rund sechs Prozent unter dem Hoch. Danach stieg Bitcoin weiter, bis auf rund 76.800 Euro am 5. Oktober. Auch hier zeigt sich: Eine Divergenz signalisiert nachlassende Dynamik, nicht zwingend eine Trendwende.

**Bärische Divergenz im Spätsommer und Herbst 2026**

|  | Schlusskurs (rund) | RSI(14) | Lesart |
|---|---|---|---|
| 22\. August | 67.100 Euro | 85,0 | Extrem überkauft |
| 28\. August | 68.900 Euro | 81,4 | Höheres Kurshoch, tieferer RSI |
| 4\. September | 69.900 Euro | 73,7 | Divergenz verstärkt sich |
| 11\. September | 65.900 Euro | 52,9 | Kleine Korrektur |
| 5\. Oktober | 76.800 Euro | 72,4 | Neues Hoch, RSI weit unter August |
| 1\. November | 69.600 Euro | 38,7 | Rückgang um rund 9 Prozent vom Oktoberhoch |

Das Oktoberhoch lag mit rund 76.800 Euro deutlich über dem Augusthoch, der RSI mit 72,4 aber klar darunter. Im Vergleich zum August war das eine weitere bärische Divergenz auf längere Sicht. In den folgenden Wochen fiel Bitcoin bis Anfang November auf rund 69.600 Euro, der RSI auf unter 40. Ob daraus eine größere Korrektur wird, ist beim Schreiben dieses Ratgebers offen. Die Beispiele zusammen zeigen das typische Verhalten: Divergenzen kündigen oft eine Pause oder Korrektur an, deren Ausmaß sehr unterschiedlich ist.

## Historische Muster auf dem Wochenchart

Auf dem Wochenchart sind RSI-Signale seltener und gewichtiger. Ein bekanntes Beispiel ist das Zyklushoch von 2021. Bitcoin erreichte im April 2021 ein Hoch von rund 64.000 Dollar und im November 2021 ein höheres Hoch von knapp 69.000 Dollar. Der Wochen-RSI lag im November aber deutlich unter dem Wert vom April. Diese bärische Divergenz ging dem Bärenmarkt von 2022 voraus, in dem Bitcoin bis November 2022 auf rund 15.500 Dollar fiel. Analysten verweisen in Kommentaren seither regelmäßig auf dieses Muster, wenn sich Ähnliches abzeichnet, und auf die bullische Divergenz am Tief von 2022, als der Kurs ein tieferes Tief bildete, der Wochen-RSI aber nicht mehr.

Solche Vergleiche sind lehrreich, aber gefährlich, wenn man sie als Fahrplan nimmt. Der Kryptomarkt verändert sich: Mit Spot-ETFs, großen Unternehmensbeständen und einem viel größeren Derivatemarkt verhalten sich Kurse anders als 2018 oder 2021. Ein Muster, das zweimal funktioniert hat, ist statistisch wenig belastbar. Der RSI ist ein Werkzeug, um die aktuelle Dynamik einzuordnen, nicht um Zyklen vorherzusagen.

## So nutzt du den RSI sinnvoll

**Fünf Regeln für den RSI bei Krypto**

1. Erst den Trend, dann den RSI: Bestimme auf dem Wochen- oder Tageschart, ob der Markt steigt, fällt oder seitwärts läuft. Im Aufwärtstrend sind überverkaufte Werte interessanter als überkaufte, im Abwärtstrend umgekehrt.
2. Extremwerte als Warnung lesen, nicht als Signal: Ein RSI über 80 oder unter 20 sagt, dass eine Bewegung ungewöhnlich heftig war. Warte auf eine Bestätigung, etwa einen Wiederanstieg über 30 oder einen Rückfall unter 70.
3. Divergenzen auf höheren Zeitrahmen ernster nehmen: Eine Divergenz auf dem Tages- oder Wochenchart hat mehr Gewicht als eine auf dem 15-Minuten-Chart.
4. Mit anderen Daten kombinieren: Funding-Raten, Open Interest, Liquidationen und Stimmung zeigen, ob eine Bewegung von gehebelten Händlern getrieben ist. Unsere Datenseiten unter /marktdaten/funding-raten, /marktdaten/open-interest und /marktdaten/liquidationen liefern diese Werte.
5. Risiko vorher festlegen: Wer auf ein RSI-Signal handelt, legt vorher fest, ab welchem Kurs die Idee falsch ist, und hält die Positionsgröße so klein, dass ein Fehlsignal verkraftbar bleibt.

Ein Beispiel für die Kombination: Im Februar 2026 fiel der Tiefpunkt des RSI mit einem Tag zusammen, an dem nach Berichten große Mengen gehebelter Long-Positionen liquidiert wurden. Solche Zwangsverkäufe treiben den Kurs kurzfristig unter das Niveau, das Käufer und Verkäufer ohne Hebel finden würden, und die anschließende Gegenbewegung ist oft heftig. Wer neben dem RSI auf Liquidationen und Funding achtet, erkennt eher, ob ein extremer RSI-Wert aus einem echten Stimmungsumschwung oder aus einer Hebel-Bereinigung stammt. Ergänzend hilft der Angst-und-Gier-Index unter /marktdaten/angst-und-gier, die Stimmung einzuordnen; was er misst, erklärt unser Ratgeber zum Fear-and-Greed-Index.

## Den RSI in einer Tabelle selbst berechnen

Wer verstehen will, warum der RSI so reagiert, wie er reagiert, rechnet ihn einmal selbst nach. Du brauchst dafür nur eine Tabellenkalkulation und eine Liste von Tagesschlusskursen, die du bei vielen Datenanbietern als CSV herunterladen kannst. Nach ein paar Minuten siehst du, wie ein einzelner großer Verlusttag den RSI nach unten drückt und wie lange es dauert, bis er wieder herauswächst.

**RSI(14) in fünf Spalten**

1. Spalte A: Datum, Spalte B: Schlusskurs, aufsteigend sortiert.
2. Spalte C: Veränderung zum Vortag, also B2 minus B1. Spalte D: Gewinn, also die Veränderung, wenn sie positiv ist, sonst 0. Spalte E: Verlust, also der Betrag der Veränderung, wenn sie negativ ist, sonst 0.
3. In Zeile 15 bildest du den einfachen Durchschnitt der ersten 14 Gewinne und der ersten 14 Verluste in zwei neuen Spalten F und G.
4. Ab Zeile 16 glättest du nach Wilder: neuer Durchschnittsgewinn gleich alter Durchschnittsgewinn mal 13 plus heutiger Gewinn, geteilt durch 14; ebenso für die Verluste.
5. Spalte H: RSI gleich 100 minus 100 geteilt durch 1 plus F geteilt durch G. Vergleiche das Ergebnis mit einem Chartprogramm; nach einigen Wochen Vorlauf sollten die Werte nah beieinanderliegen.

Eine verwandte Variante ist der Stochastic RSI, den viele Krypto-Plattformen ebenfalls anbieten. Er wendet die Logik des Stochastik-Oszillators auf den RSI an und zeigt, wo der aktuelle RSI innerhalb seiner eigenen Spanne der letzten Perioden liegt. Dadurch schwankt er viel stärker und erreicht ständig Werte nahe 0 oder 100. Für Kurzfristhändler kann das nützlich sein, für die Einordnung eines Trends ist er meist zu nervös. Wer neu ist, fängt besser mit dem normalen RSI auf dem Tageschart an.

## Die Grenzen des RSI

Der RSI wird ausschließlich aus Kursen berechnet. Er weiß nichts über Nachrichten, Zinsen, ETF-Zuflüsse oder regulatorische Entscheidungen. Er ist ein nachlaufender Indikator, weil er vergangene Bewegungen glättet, und er reagiert auf den Zeitrahmen, den Schlusszeitpunkt und die Datenquelle. Zwei Händler mit unterschiedlichen Charts können am selben Tag einen RSI von 29 und einen von 32 sehen, und nur einer von ihnen würde überverkauft melden. Wer feste Schwellen mechanisch handelt, handelt deshalb auch die Zufälligkeit der Datenquelle.

Die zweite große Grenze sind Trends. In einem starken Aufwärtstrend kann der RSI wochenlang über 70 bleiben, in einem starken Abwärtstrend wochenlang unter 30. Wer jeden Ausschlag gegen den Trend handelt, verliert in solchen Phasen immer wieder. Die Beispiele aus 2026 zeigen beides: Der RSI über 80 im August war kein Grund zum Verkauf, und der RSI von 22,9 am 1. Februar war kein guter Kaufzeitpunkt. Die dritte Grenze ist die Rückschau: Divergenzen sieht man im Nachhinein deutlich, in Echtzeit bilden sie sich oft mehrfach, und nur die letzte war die richtige.

**RSI im Vergleich zu anderen verbreiteten Indikatoren**

|  | Was er misst | Typische Stärke | Typische Schwäche |
|---|---|---|---|
| RSI | Verhältnis von Gewinnen zu Verlusten | Dynamik und Divergenzen | Lange Extreme in Trends |
| MACD | Abstand zweier gleitender Durchschnitte | Trendwechsel und Momentum | Spät, viele Fehlsignale seitwärts |
| Gleitende Durchschnitte (z. B. 200 Tage) | Durchschnittskurs über Zeitraum | Übergeordneter Trend | Sehr träge |
| Bollinger-Bänder | Abweichung vom Durchschnitt | Volatilität | Ausbrüche schwer von Übertreibungen zu trennen |
| Funding-Raten (Derivate) | Kosten gehebelter Positionen | Überhitzung bei Hebelhändlern | Nur für Coins mit liquiden Perpetuals |

## Häufige Fehler mit dem RSI

Erstens: überkauft heißt verkaufen. Wie das August-Beispiel zeigt, steigt der Kurs nach einem RSI über 70 oft weiter, vor allem am Anfang eines Trends. Zweitens: zu kurze Zeitrahmen. Auf dem Fünf-Minuten-Chart erreicht der RSI mehrmals täglich Extremwerte, und die meisten davon bedeuten nichts. Drittens: den RSI allein nutzen. Ohne Blick auf Trend, Unterstützungen und Widerstände und auf das Marktumfeld ist der RSI eine Zahl ohne Zusammenhang. Viertens: Divergenzen erzwingen. Wer nach Divergenzen sucht, findet sie fast immer, wenn er nur die passenden Punkte verbindet. Maßgeblich sind klar erkennbare Hochs und Tiefs, keine Einzelkerzen.

Fünftens: RSI-Signale als Grund für gehebelte Positionen nehmen. Wer auf ein Divergenzsignal mit Hebel setzt, kann liquidiert werden, bevor das Signal aufgeht. Im Juni 2026 etwa lag zwischen dem ersten Tief und dem tieferen Tief knapp ein Monat und ein weiterer Rückgang um gut zwei Prozent; bei hohem Hebel reicht das für eine Zwangsschließung. Sechstens: Steuern vergessen. Wer in Deutschland häufig auf RSI-Signale kauft und verkauft, erzeugt viele steuerpflichtige Vorgänge innerhalb der Jahresfrist. Jeder Verkauf mit Gewinn innerhalb eines Jahres nach dem Kauf zählt, wenn die Freigrenze von 1.000 Euro im Jahr erreicht ist.

## Häufige Fragen zum RSI-Indikator bei Krypto

### Was zeigt der RSI-Indikator?

Er zeigt auf einer Skala von 0 bis 100, wie stark die Kursgewinne der letzten Perioden die Verluste überwogen haben. Standard sind 14 Perioden. Über 70 gilt als überkauft, unter 30 als überverkauft.

### Welche RSI-Einstellung ist für Krypto am besten?

Die Standardeinstellung von 14 Perioden funktioniert auch bei Krypto. Wichtiger ist der Zeitrahmen: Tages- und Wochenchart liefern aussagekräftigere Signale als Stundencharts. Manche Händler nutzen in Trends angepasste Schwellen wie 40 und 80.

### Ist ein RSI unter 30 ein Kaufsignal?

Nicht für sich allein. Er zeigt einen starken Abverkauf an. Im Februar 2026 stand der Bitcoin-RSI am 1. Februar bei 22,9, und der Kurs fiel danach noch rund 20 Prozent, bevor der RSI bei 14,5 den Tiefpunkt erreichte.

### Was ist eine RSI-Divergenz?

Wenn Kurs und RSI auseinanderlaufen: Der Kurs macht ein neues Hoch oder Tief, der RSI nicht. Eine bullische Divergenz an einem Tief deutet nachlassenden Verkaufsdruck an, eine bärische an einem Hoch nachlassende Kaufkraft.

### Wie zuverlässig ist der RSI bei Bitcoin?

Er beschreibt Dynamik zuverlässig, sagt aber keine Kurse voraus. In starken Trends bleibt er lange überkauft oder überverkauft. Am nützlichsten ist er zusammen mit Trend, Divergenzen und Daten zu Hebel und Stimmung.

### Warum zeigt mein Chart einen anderen RSI-Wert?

Weil Datenquelle, Währung, Börse und Tagesschluss die Berechnung beeinflussen. Bei Krypto ist der Tagesschluss meist 00:00 Uhr UTC, manche Anbieter nutzen andere Zeiten. Abweichungen von einigen Punkten sind normal.

### Kann ich den RSI für Altcoins nutzen?

Ja, aber bei kleinen, illiquiden Coins sind die Signale weniger verlässlich, weil einzelne große Orders den Kurs stark bewegen. Je größer und liquider der Markt, desto aussagekräftiger der RSI.

Kurz gesagt: Der RSI misst die Wucht einer Kursbewegung, nicht ihre Richtung von morgen. Extremwerte zeigen ungewöhnliche Bewegungen an, Divergenzen nachlassende Dynamik, und beides wird erst mit Trend, Bestätigung und weiteren Marktdaten zu einer brauchbaren Information. Die Bitcoin-Beispiele aus 2026 zeigen, dass der RSI an Wendepunkten oft richtig lag, dazwischen aber auch in die Irre führte. Dieser Text erklärt einen Indikator und ist keine Anlageberatung.

## Quellen

- [CoinGecko API: Bitcoin market chart (tägliche Euro-Kurse, Grundlage der eigenen RSI-Berechnung)](https://api.coingecko.com/api/v3/coins/bitcoin/market_chart?vs_currency=eur&days=365&interval=daily)
- [TradingView Hilfe: Relative Strength Index (RSI)](https://www.tradingview.com/support/solutions/43000502338-relative-strength-index-rsi/)
- [StockCharts ChartSchool: Relative Strength Index (RSI)](https://chartschool.stockcharts.com/table-of-contents/technical-indicators-and-overlays/technical-indicators/relative-strength-index-rsi)
- [Cointelegraph: Bitcoin RSI bullish divergence sees analysts call 2022 bottom repeat](https://cointelegraph.com/news/bitcoin-rsi-bullish-divergence-sees-analysis-call-2022-bottom-repeat)
- [Cointelegraph: Bitcoin RSI eyes 2022 repeat](https://cointelegraph.com/news/bitcoin-rsi-eyes-2022-repeat-analysis-time-to-pay-attention)
- [J. Welles Wilder: New Concepts in Technical Trading Systems (1978), Bibliografie](https://openlibrary.org/works/OL2702418W/New_concepts_in_technical_trading_systems)

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Keine Anlageberatung. Kryptowerte sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich.

Veröffentlicht von Blockblatt. Originalfassung: https://blockblatt.com/ratgeber/rsi-indikator-krypto
