
Scalable Capital Krypto: Kann man Bitcoin auf eine eigene Wallet auszahlen?
Scalable Capital verkauft Krypto nur als ETP, eine Auszahlung auf die eigene Wallet ist über den Broker nicht möglich. Wir erklären die Ausnahme über den Emittenten, den Weg über Verkauf und Neukauf mit Rechenbeispiel und die steuerlichen Unterschiede zwischen ETP und echten Coins.
Bei Scalable Capital kannst du Krypto nicht auf eine eigene Wallet auszahlen. Der Grund ist die Produktform: Wenn du bei Scalable Bitcoin kaufst, kaufst du keinen Bitcoin, sondern ein börsengehandeltes Wertpapier, ein sogenanntes Krypto-ETP, das den Kurs abbildet. Die Coins hält der Emittent des Wertpapiers bei einem Verwahrer, nicht du. Scalables Hilfeseite sagt das ausdrücklich: Eine direkte Auszahlung von Kryptowährungen auf eine private Wallet ist über den Scalable Broker technisch nicht möglich. Dieselbe Seite nennt eine enge Ausnahme: In Einzelfällen können die zugrunde liegenden Coins über den Emittenten des ETPs an eine eigene Adresse übertragen werden, wenn dessen Produktbedingungen eine solche physische Lieferung ausdrücklich vorsehen. Für die meisten Anleger bleibt als praktischer Weg nur, das ETP zu verkaufen und die Coins bei einem Anbieter zu kaufen, der echte Coins liefert.
Dieser Ratgeber erklärt, was das ETP rechtlich ist, warum ältere Artikel etwas anderes behaupten, wie die Lieferung über den Emittenten grundsätzlich funktioniert und welche Hürden sie hat, was ein Umzug zu einem anderen Anbieter kostet und welche steuerlichen Unterschiede zwischen ETP und echten Coins bestehen. Stand der Angaben: Oktober 2026. Gebühren und Produktbedingungen ändern sich; prüfe sie vor einer Entscheidung im Preis- und Leistungsverzeichnis von Scalable und in den Unterlagen des jeweiligen Emittenten.
Scalable Capital und die eigene Wallet: das Wichtigste
- Auszahlung an eigene Wallet
- Über den Scalable Broker technisch nicht möglich, laut Scalable-Hilfeseite
- Was du bei Scalable kaufst
- Krypto-ETPs, also Schuldverschreibungen eines Emittenten, keine Coins
- Ausnahme
- Lieferung über den Emittenten, nur wenn dessen Bedingungen das ausdrücklich erlauben
- Emittenten im Angebot
- Unter anderem CoinShares und Scalables eigene Tochter Scalable Securities
- Lieferbare Scalable-ETNs
- Scalable Bitcoin (deliverable) und Scalable Ethereum (deliverable)
- Handelsplätze
- Xetra und gettex, also Börsenzeiten statt rund um die Uhr
- Krypto-Aufschlag
- 0,99 Prozent im Free-Tarif, 0,69 Prozent in PRIME+ laut Testportalen
- Laufende Kosten
- Jährliche Gebühr im ETP, bei den Scalable-ETNs 0,95 Prozent laut Fachpresse
- Praktischer Weg zur eigenen Wallet
- ETP verkaufen, Euro überweisen, Coins bei Anbieter mit Auszahlung kaufen
- Steuer
- Hängt vom Produkt ab: mit Lieferanspruch wie Coins, ohne als Kapitalertrag
Warum du bei Scalable keine Coins besitzt
Ein Krypto-ETP, ausgeschrieben Exchange Traded Product, ist rechtlich in der Regel eine Inhaberschuldverschreibung. Der Emittent, eine eigens dafür gegründete Gesellschaft, gibt Wertpapiere aus, deren Wert an den Kurs einer Kryptowährung gekoppelt ist. Bei den physisch besicherten Produkten hinterlegt er für jedes ausgegebene Wertpapier die entsprechende Menge Coins bei einem Verwahrer. Du als Anleger bist Gläubiger des Emittenten. Du hast einen Anspruch gegen ihn, der durch die hinterlegten Coins besichert ist, aber du hast keinen privaten Schlüssel und keine Coins in einer Wallet, die dir gehört. In deinem Depot liegt ein Wertpapier mit einer ISIN, genau wie eine Aktie oder ein ETF.
Scalable startete sein Krypto-Angebot Ende 2021 in Zusammenarbeit mit dem Emittenten CoinShares. Später hat Scalable über die Tochter Scalable Securities eigene Krypto-ETPs an der Deutschen Börse gelistet: nach Berichten der Fachpresse vier Produkte auf Bitcoin und Ethereum, davon zwei mit dem Zusatz deliverable, also lieferbar, und zwei ohne diesen Zusatz mit Barausgleich. Heute nennt Scalable auf seiner Produktseite rund 30 Kryptowährungen, die du über ETPs handeln kannst. Gehandelt wird an Xetra und gettex. Das heißt auch: Du kannst nur zu den Handelszeiten dieser Börsen kaufen und verkaufen, nicht nachts oder am Wochenende, wenn der Kryptomarkt selbst weiterläuft.
Warum hat Scalable diesen Weg gewählt? Ein Wertpapier passt in die bestehende Infrastruktur eines Brokers: Verwahrung im Depot, Abrechnung über die Börse, Steuerabzug, Jahressteuerbescheinigung. Echte Coins dagegen brauchen eine eigene Verwahrung, eine eigene Lizenz und eigene Prozesse für Ein- und Auszahlungen. Für dich als Anleger hat das ETP Vorteile, etwa die einfache Handhabung und, je nach Produkt, den automatischen Steuerabzug. Der Preis ist, dass die Coins nie in deine Hände kommen. Den Unterschied zwischen ETP und ETF, und warum es in der EU keinen echten Bitcoin-ETF gibt, erklären wir ausführlich in unserem eigenen Ratgeber zu Bitcoin-ETP und ETF.
Was Scalable selbst zur Auszahlung sagt
Scalables Hilfeseite zur Frage, ob du Kryptowährungen an eine private Wallet auszahlen kannst, ist eindeutig. Eine direkte Auszahlung über den Scalable Broker ist technisch nicht möglich, und die Begründung ist die Produktform: Du hältst börsengehandelte Wertpapiere, nicht die Coins selbst. In der englischen Fassung ergänzt die Seite, dass es in Ausnahmefällen möglich sei, die zugrunde liegenden Coins über den jeweiligen Emittenten an eine eigene Wallet-Adresse zu übertragen, sofern der Emittent eine solche physische Rücknahme in seinen Produktbedingungen ausdrücklich zulässt. Das ist kein Knopf in der App, sondern ein Vorgang außerhalb von Scalable, zwischen dir und dem Emittenten.
Im Netz kursieren auch andere Aussagen. Zum Start des Krypto-Angebots Ende 2021 wurde ein Mitgründer von Scalable mit dem Satz zitiert, die Auszahlung der Coins in ein eigenes Wallet sei grundsätzlich möglich und man arbeite mit dem Partner an einer komfortablen Lösung. Eine solche Lösung ist nach allem, was wir finden konnten, nicht gestartet; die aktuelle Hilfeseite sagt das Gegenteil. Artikel aus dieser Zeit sind deshalb veraltet, auch wenn sie noch gut gefunden werden. Dasselbe gilt für Ratgeberseiten, die beide Aussagen nebeneinanderstellen, ohne das Datum zu nennen. Maßgeblich ist die Hilfeseite in ihrer aktuellen Fassung.
Die Ausnahme: Lieferung über den Emittenten
Manche physisch besicherten ETPs geben Anlegern ein Recht, statt des Geldwerts die hinterlegten Coins zu verlangen. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die Unterlagen einiger Emittenten. Beim Physical Bitcoin ETP von Fidelity beschreibt der Prospekt, dass der Emittent den Anspruch auf eine digitale Wallet überträgt, die der Anleger in einem vom Emittenten bereitgestellten Ausübungsformular angibt. Beim Physical Bitcoin ETP von Deutsche Digital Assets sieht das Datenblatt eine physische Lieferung an individuelle Investoren über einen Antrag auf physische Lieferung vor und weist darauf hin, dass Anleger, die aus rechtlichen oder regulatorischen Gründen keine Bitcoin empfangen können, keine Lieferung erhalten. Scalables eigene deliverable-ETNs bieten nach Angaben des Unternehmens ebenfalls eine physische Lieferung der Kryptowährung.
Die Hürden sind in der Regel erheblich. Du musst dich direkt an den Emittenten wenden, dich dort identifizieren, eine Wallet-Adresse angeben, deren Inhaberschaft du gegebenenfalls nachweisen musst, und die Wertpapiere aus deinem Depot an den Emittenten oder eine von ihm benannte Stelle übertragen lassen. Dafür muss dein Broker mitspielen, also die Wertpapiere auf Anweisung ausbuchen. Viele Emittenten verlangen Mindestmengen und berechnen Liefergebühren. In einem Anlegerforum berichtete ein Nutzer, ein Emittent habe neben den Netzwerkgebühren Liefergebühren in vierstelliger Höhe verlangt; das ist ein Einzelbericht, zeigt aber, dass die Lieferung für Privatanleger mit normalen Beträgen selten wirtschaftlich ist. Die konkreten Bedingungen stehen im Basisprospekt und in den endgültigen Bedingungen des jeweiligen Produkts.
Was du vor einem Lieferantrag beim Emittenten klären musst
- Finde die ISIN deines ETPs im Scalable-Depot und stelle fest, welcher Emittent es ausgibt.
- Lies in den endgültigen Bedingungen und im Basisprospekt nach, ob Privatanleger eine physische Lieferung verlangen dürfen. Steht dort nur eine Rücknahme in Geld oder eine Lieferung an autorisierte Teilnehmer, ist der Weg für dich verschlossen.
- Prüfe Mindestmengen, Liefergebühren, Fristen und die geforderte Art der Wallet. Rechne aus, was die Lieferung bei deinem Bestand kostet.
- Frage beim Emittenten nach dem Antragsformular und den Identifizierungspflichten.
- Frage bei Scalable, ob und wie die Wertpapiere für eine solche Lieferung aus dem Depot übertragen werden können und was das kostet.
- Vergleiche das Ergebnis mit dem einfachen Weg über Verkauf und Neukauf bei einem anderen Anbieter.
Der praktische Weg: verkaufen und woanders kaufen
Für fast alle, die ihre Kryptowerte selbst verwahren wollen, ist der Umweg der einzige realistische Weg. Du verkaufst das ETP bei Scalable, überweist den Erlös auf dein Girokonto, eröffnest ein Konto bei einem Anbieter, der echte Coins verkauft und eine Auszahlung an eigene Wallets erlaubt, kaufst dort die Coins und überträgst sie auf deine Wallet. Das klingt nach viel, ist aber in wenigen Tagen erledigt, wenn du das neue Konto vorher eröffnest und verifizierst.
Vom Scalable-ETP zum Bitcoin in der eigenen Wallet
- Eröffne und verifiziere vorab ein Konto bei einem Anbieter, der echte Coins liefert und Auszahlungen an eigene Wallets erlaubt. Richte deine eigene Wallet ein und sichere die Wiederherstellungsphrase.
- Prüfe vor dem Verkauf, ob der Verkauf steuerlich ungünstig ist, etwa weil eine Haltefrist bald endet oder ein Gewinn anfällt.
- Verkaufe das ETP bei Scalable zu den Handelszeiten von Xetra oder gettex. Nutze bei größeren Beträgen eine Limit-Order.
- Überweise den Erlös vom Verrechnungskonto auf dein Girokonto und von dort auf das Konto beim neuen Anbieter.
- Kaufe die Coins. Beachte, dass der Kurs sich zwischen Verkauf und Neukauf bewegen kann.
- Sende zuerst einen kleinen Testbetrag an deine Wallet, prüfe den Eingang und übertrage dann den Rest.
Der Zeitverzug zwischen Verkauf und Neukauf ist ein eigenes Risiko. Bis das Geld beim neuen Anbieter ankommt, können ein bis drei Bankarbeitstage vergehen, bei Echtzeitüberweisungen weniger. In dieser Zeit bist du nicht investiert. Steigt der Kurs, kaufst du teurer zurück, fällt er, billiger. Wer das Risiko nicht tragen will, kann den Umzug in mehreren Tranchen machen oder zuerst beim neuen Anbieter mit frischem Geld kaufen und danach das ETP verkaufen. Ein Wochenende ist dafür ungünstig, weil gettex und Xetra dann nicht handeln, der Kryptomarkt aber schon.
Was der Umzug kostet: ein Rechenbeispiel
Angenommen, du hältst bei Scalable ein Bitcoin-ETP im Wert von 5.000 Euro, eine frei gewählte Zahl. Nach Angaben von Testportalen berechnet Scalable im Free-Tarif einen Krypto-Aufschlag von 0,99 Prozent je Transaktion, im Abo-Tarif PRIME+ 0,69 Prozent. Der Verkauf kostet dich damit rund 49,50 Euro im Free-Tarif oder rund 34,50 Euro in PRIME+. Beim Neukauf bei einem anderen Anbieter fällt dessen Aufschlag oder Gebühr an, je nach Anbieter zwischen einem Bruchteil eines Prozents an einer Börse mit Orderbuch und rund 1,5 Prozent bei einem App-Broker. Bei 1 Prozent sind das weitere 50 Euro. Dazu kommt einmalig die Netzwerkgebühr für die Übertragung auf deine Wallet, bei Bitcoin je nach Auslastung des Netzes meist wenige Euro.
Zusammen kostet der Umzug in diesem Beispiel also grob 90 bis 100 Euro, knapp 2 Prozent des Bestands. Das ist viel für einen einzelnen Vorgang, aber es ist eine einmalige Ausgabe. Ihr gegenüber steht die laufende Gebühr des ETPs. Bei den Scalable-ETNs nennt die Fachpresse eine Gesamtkostenquote von 0,95 Prozent pro Jahr; bei 5.000 Euro sind das rund 47,50 Euro jährlich, die über den Kurs abgezogen werden. Andere Bitcoin-ETPs am Markt sind deutlich günstiger, manche verlangen nur Bruchteile davon. Wer ein teures ETP viele Jahre hält, zahlt über die Laufzeit leicht mehr als die Umzugskosten. Die laufenden Kosten der einzelnen Produkte vergleicht unser Ratgeber zu Bitcoin-ETP und ETF; die Tabelle wiederholen wir hier nicht.
| Was du am Ende hast | Kosten | Steuerliche Folge | Aufwand | |
|---|---|---|---|---|
| Verkaufen und echte Coins woanders kaufen | Echte Coins in eigener Wallet | Aufschlag bei Verkauf und Neukauf, Netzwerkgebühr | Verkauf des ETPs ist ein steuerlicher Vorgang; neue Haltefrist für die Coins | Gering bis mittel, wenige Tage |
| Lieferung über den Emittenten | Echte Coins in eigener Wallet | Liefergebühren laut Produktbedingungen, oft hoch | Je nach Produkt; vor dem Antrag klären | Hoch, nur bei passenden Produkten möglich |
| ETP bei Scalable behalten | Wertpapier im Depot | Laufende Gebühr im ETP, Aufschlag erst beim Verkauf | Je nach Produkt wie Coins oder als Kapitalertrag | Keiner |
| Künftige Käufe direkt bei Anbieter mit Auszahlung | Echte Coins für neue Käufe, ETP bleibt | Aufschlag des neuen Anbieters, keine laufende ETP-Gebühr | Neue Käufe nach Paragraf 23 EStG | Gering |
Steuer: ETP mit und ohne Lieferanspruch
Ob du ein ETP oder echte Coins hältst, macht steuerlich einen Unterschied, und bei ETPs kommt es zusätzlich auf das einzelne Produkt an. Echte Coins im Privatvermögen unterliegen den Regeln für private Veräußerungsgeschäfte nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz: Gewinne aus einem Verkauf innerhalb eines Jahres sind steuerpflichtig, wenn alle Gewinne dieser Art im Jahr zusammen 1.000 Euro oder mehr betragen, Gewinne nach mehr als einem Jahr nach heutiger Rechtslage steuerfrei. Bei ETPs unterscheidet die Finanzverwaltung nach unserem Kenntnisstand seit ihrem Schreiben zu Kryptowerten vom 6. März 2025: ETPs, die einen Anspruch auf Lieferung der Coins verbriefen, werden wie die Coins selbst behandelt. ETPs ohne Lieferanspruch, also mit reinem Barausgleich, gelten als Kapitalanlage, deren Gewinne unabhängig von der Haltedauer der Abgeltungsteuer unterliegen.
Für Scalable-Kunden hat das zwei praktische Folgen. Erstens: Prüfe, welches Produkt du hältst. Bei Scalables eigenen ETNs signalisiert der Zusatz deliverable den Lieferanspruch, und Scalable bewirbt diese Variante ausdrücklich für Anleger mit einer Haltedauer von mehr als einem Jahr. Die Varianten mit Barausgleich beschreibt das Unternehmen als geeignet für kurzfristige Anlagen. Bei anderen Emittenten steht der Lieferanspruch, wenn es ihn gibt, in den Produktbedingungen. Zweitens: Ob und wie Scalable beim Verkauf Abgeltungsteuer einbehält, hängt von der Einstufung des Produkts ab. Wird bei einem ETP mit Lieferanspruch dennoch Steuer einbehalten, kannst du sie nach Darstellung der Fachpresse über die Steuererklärung zurückholen. Lies dafür die Abrechnung und die Jahressteuerbescheinigung genau.
Beim Umzug von einem ETP zu echten Coins zählt der Verkauf des ETPs steuerlich als Veräußerung. Hältst du ein ETP mit Lieferanspruch seit mehr als einem Jahr, ist ein Gewinn steuerfrei, und du verlierst durch den Umzug nichts außer den Kosten. Hältst du es kürzer, wird ein Gewinn steuerpflichtig, und die Haltefrist für die neu gekauften Coins beginnt bei null. Bei einem ETP ohne Lieferanspruch fällt Abgeltungsteuer auf den Gewinn an, soweit der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist, die neuen Coins starten dann aber in die einjährige Haltefrist, nach der sie nach heutiger Rechtslage steuerfrei verkauft werden können. Die Haltefrist für Kryptowerte steht politisch zur Debatte; Stand Oktober 2026 ist keine Änderung beschlossen. Dieser Text ist eine allgemeine Information und keine Steuer- oder Anlageberatung.
Welche Anbieter eine Auszahlung an die eigene Wallet erlauben
Wer selbst verwahren will, braucht einen Anbieter, der echte Coins verkauft und eine Auszahlung an externe Adressen zulässt. Das gilt heute für die meisten Krypto-Börsen und Krypto-Apps in Deutschland, darunter die Krypto-App der Börse Stuttgart, Bitpanda und große internationale Börsen. Auch Trade Republic erlaubt seit dem Start seiner Krypto-Wallet im November 2025 die Auszahlung; den Ablauf beschreibt unser eigener Ratgeber dazu. Daneben gibt es reine Bitcoin-Anbieter, die die gekauften Coins direkt an deine Wallet liefern, ohne dass sie überhaupt beim Anbieter liegen bleiben. Die Kosten der Bitcoin-Sparpläne bei diesen Anbietern vergleicht unser Ratgeber zum Bitcoin-Sparplan-Gebührenvergleich.
Achte bei der Wahl auf drei Dinge. Erstens die Gesamtkosten beim Kauf, also Gebühr und Aufschlag zusammen, nicht nur die beworbene Ordergebühr. Zweitens die Auszahlungsgebühr: Manche Anbieter geben nur die Netzwerkgebühr weiter, andere berechnen einen festen Betrag. Drittens die Regulierung: In der EU brauchen Krypto-Anbieter seit der Übergangszeit eine Zulassung nach der MiCA-Verordnung; ob ein Anbieter sie hat, kannst du im Register der Europäischen Wertpapieraufsicht nachsehen.
Für wen das Scalable-ETP trotzdem passt
Nicht jeder braucht eine eigene Wallet. Wenn du Kryptowerte nur als kleine Beimischung in deinem Depot halten willst, alles an einem Ort verwalten möchtest und kein Interesse an Schlüsseln, Wiederherstellungsphrasen und Netzwerkgebühren hast, ist ein ETP eine bequeme Lösung. Du kannst es im selben Depot wie deine Aktien und ETFs halten, per Sparplan kaufen und es mit wenigen Klicks verkaufen. Bei einem Verlust des Smartphones musst du keine Coins retten, sondern dich nur wieder im Depot anmelden.
Wenn dir die Selbstverwahrung dagegen wichtig ist, etwa weil du unabhängig von Banken und Emittenten sein willst oder Bitcoin für Zahlungen nutzen möchtest, ist das ETP das falsche Produkt. Die Entscheidung triffst du am besten vor dem ersten Kauf. Wer schon ETPs hält, muss nicht sofort umziehen; eine pragmatische Lösung ist, neue Käufe bei einem Anbieter mit Auszahlung zu machen und den bestehenden ETP-Bestand zu einem steuerlich günstigen Zeitpunkt zu verkaufen.
Sicherheit: Die eigene Wallet richtig vorbereiten
Wer von einem ETP zu echten Coins wechselt, übernimmt eine Verantwortung, die vorher der Emittent und sein Verwahrer getragen haben. Die wichtigste Regel: Die Wiederherstellungsphrase deiner Wallet ist der Schlüssel zu deinen Coins. Schreibe sie offline auf, bewahre sie an einem sicheren Ort auf und gib sie niemandem, auch keinem angeblichen Support. Für größere Beträge ist eine Hardware-Wallet sinnvoll, bei der die Schlüssel ein eigenes Gerät nie verlassen. Wie du die Phrase aufbewahrst und welche Fehler du vermeiden solltest, beschreibt unser Ratgeber zur sicheren Aufbewahrung der Seed-Phrase.
Bei der ersten Übertragung vom neuen Anbieter an deine Wallet sendest du zuerst einen kleinen Betrag und prüfst den Eingang, bevor du den Rest überträgst. Prüfe die Empfangsadresse auf dem Display der Hardware-Wallet und wähle das richtige Netzwerk. Wegen der europäischen Travel Rule kann der Anbieter bei Übertragungen über 1.000 Euro an eine eigene Wallet einen Nachweis verlangen, dass die Adresse dir gehört, etwa durch eine signierte Nachricht. Plane dafür etwas Zeit ein.
Typische Missverständnisse rund um Scalable und Krypto
Erstens: Physisch besichert heißt nicht, dass du die Coins bekommst. Es heißt, dass der Emittent für deine Wertpapiere Coins hinterlegt hat. Ob du sie geliefert bekommen kannst, steht in den Produktbedingungen. Zweitens: Ein ETP ist kein ETF. Es ist eine Schuldverschreibung, und du trägst das Risiko des Emittenten, das durch die hinterlegten Coins und einen Treuhänder gemindert, aber nicht beseitigt wird. Drittens: Eine Depotübertragung zu einem anderen Broker ist kein Weg zur eigenen Wallet. Du kannst das ETP zu einem anderen Broker übertragen, aber dort bleibt es ein Wertpapier.
Viertens: Die Aussage aus dem Jahr 2021, eine Auszahlung sei grundsätzlich möglich, gilt nicht. Die aktuelle Hilfeseite sagt das Gegenteil. Fünftens: Der Kurs eines ETPs entspricht nicht exakt dem Kurs des Coins. Die laufende Gebühr verringert den Anspruch pro Wertpapier mit der Zeit, und an der Börse kommt ein Spread hinzu. Sechstens: Die Steuer ist bei ETPs nicht einheitlich. Ob ein Gewinn nach einem Jahr steuerfrei ist, hängt vom Produkt ab, nicht vom Broker.
Häufige Fragen: Scalable Capital, Krypto und die eigene Wallet
Kann ich Bitcoin von Scalable Capital auf meine Wallet auszahlen?
Nein, nicht über den Scalable Broker. Scalables Hilfeseite sagt, dass eine direkte Auszahlung technisch nicht möglich ist, weil du Krypto-ETPs hältst, keine Coins. Nur in Ausnahmefällen kann der Emittent die Coins liefern, wenn seine Produktbedingungen das ausdrücklich vorsehen.
Habe ich bei Scalable echte Bitcoin?
Nein. Du hast ein börsengehandeltes Wertpapier, das den Bitcoin-Kurs abbildet. Bei physisch besicherten Produkten hält der Emittent die Coins bei einem Verwahrer, du bist sein Gläubiger.
Was bedeutet deliverable bei den Scalable-ETNs?
Der Zusatz steht für einen Lieferanspruch: Die Produktbedingungen sehen eine physische Lieferung der Kryptowährung vor. Scalable bewirbt diese Variante für Anleger, die länger als ein Jahr halten. Ob und zu welchen Kosten eine Lieferung an dich als Privatanleger praktisch möglich ist, steht in den endgültigen Bedingungen.
Wie komme ich am einfachsten an echte Coins?
Verkaufe das ETP bei Scalable, überweise den Erlös zu einem Anbieter, der echte Coins verkauft und Auszahlungen erlaubt, kaufe dort und übertrage die Coins auf deine Wallet. Prüfe vor dem Verkauf die steuerlichen Folgen.
Was kostet der Umzug?
Den Aufschlag beim Verkauf bei Scalable, laut Testportalen 0,99 Prozent im Free-Tarif und 0,69 Prozent in PRIME+, die Kosten beim Neukauf und eine Netzwerkgebühr. Bei 5.000 Euro kommen in einem Beispiel grob 90 bis 100 Euro zusammen.
Muss ich beim Verkauf des ETPs Steuern zahlen?
Das hängt vom Produkt und der Haltedauer ab. ETPs mit Lieferanspruch behandelt die Finanzverwaltung nach unserem Kenntnisstand wie Coins: Nach mehr als einem Jahr ist der Gewinn steuerfrei. ETPs ohne Lieferanspruch unterliegen der Abgeltungsteuer, unabhängig von der Haltedauer.
Kann ich das ETP zu einem anderen Broker übertragen?
Ja, als Wertpapier per Depotübertrag. Dort bleibt es aber ein ETP. Eine Auszahlung an eine eigene Wallet erreichst du damit nicht.
Warum schreiben manche Seiten, die Auszahlung sei möglich?
Zum Start des Angebots 2021 kündigte Scalable eine Lösung für Auszahlungen an. Sie ist nach allem, was wir finden konnten, nicht gekommen. Die aktuelle Hilfeseite schließt die direkte Auszahlung aus.
Kann ich bei Scalable nachts oder am Wochenende Krypto verkaufen?
Nein. Die ETPs werden an Xetra und gettex gehandelt, also nur zu deren Handelszeiten. Der Kryptomarkt läuft dagegen rund um die Uhr.
Was passiert mit meinem ETP, wenn der Emittent pleitegeht?
Du bist Gläubiger des Emittenten. Bei physisch besicherten Produkten sichern die hinterlegten Coins und ein Treuhänder deinen Anspruch ab. Ein Restrisiko bleibt, anders als bei Coins in deiner eigenen Wallet.
Unterm Strich ist Scalable Capital ein Broker für Wertpapiere, und Krypto gibt es dort ausschließlich als Wertpapier. Wer eine eigene Wallet will, findet bei Scalable keinen Auszahlungsknopf, sondern muss verkaufen und woanders neu kaufen, oder in seltenen Fällen den mühsamen Weg über den Emittenten gehen. Wer das vorher weiß, kann die Entscheidung bewusst treffen: Bequemlichkeit im Depot oder Coins in der eigenen Hand.
Risikohinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Kryptowerte sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich.
Quellen
- Scalable Capital Hilfe: Can I withdraw cryptocurrencies to my private wallet?
- Scalable Capital Hilfe: Are physically backed crypto ETPs offered for trading?
- Scalable Capital: Crypto in the Scalable Broker
- ETF Stream: Scalable Capital enters crypto ETP market with bitcoin and ethereum launch
- ETF.at: Scalable Capital tritt in den Krypto-ETP-Markt ein
- BTC-Echo: Scalable Capital nimmt Handel mit Bitcoin und Co. auf
- Rankia: Krypto mit Scalable Capital 2026
- Fidelity Physical Bitcoin ETP: Prospekt (PDF)
- BTC-Echo: Krypto-ETPs – das müssen Investoren für die Steuererklärung wissen
- Gesetze im Internet: § 23 EStG


