
Krypto-ETF für Anfänger: Warum es in Europa ETPs sind, wie du sie kaufst und was sie kosten
Einen echten Krypto-ETF kannst du in Europa kaum kaufen, dafür börsengehandelte Krypto-ETPs auf Bitcoin, Ether oder Baskets. Der Ratgeber erklärt den Unterschied, die Kostenquoten von 0,05 bis über 1 Prozent, den Kauf Schritt für Schritt im Depot, Risiken, Steuer und typische Anfängerfehler.
Wer einen Krypto-ETF für Anfänger sucht, landet in Europa fast immer bei einem Krypto-ETP. Echte Bitcoin-ETFs wie die großen Spot-Fonds aus den USA darfst du als Privatanleger in der EU in der Regel nicht kaufen, und europäische ETFs dürfen nach den Fondsregeln keine einzelne Kryptowährung direkt halten. Stattdessen gibt es börsengehandelte Wertpapiere, Exchange Traded Products, die den Kurs von Bitcoin, Ether oder einem Korb von Coins abbilden und meist mit echten Coins hinterlegt sind. Du kaufst sie wie eine Aktie in deinem normalen Depot, bei der Hausbank oder einem Neobroker. Die günstigsten Bitcoin-ETPs kosten 2026 zwischen 0,05 und 0,15 Prozent im Jahr.
Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied zwischen ETF, ETP, ETC und ETN, zeigt, worauf du bei der Auswahl achtest, wie der Kauf Schritt für Schritt funktioniert, was die Produkte wirklich kosten, wie sie in Deutschland versteuert werden und welche Fehler Einsteiger am häufigsten machen. Stand: November 2026. Es ist keine Anlageberatung: Kryptowährungen schwanken stark, ein Totalverlust ist bei einzelnen Produkten und Coins möglich, und ob ein Krypto-Anteil zu deiner Lage passt, entscheidest du selbst.
Krypto-ETP in Kurzform
- Was du kaufst
- Börsengehandeltes Wertpapier, meist mit echten Coins hinterlegt
- Warum kein ETF
- EU-Fondsregeln verbieten Fonds aus nur einem Kryptowert
- Wo kaufen
- Im normalen Wertpapierdepot, z. B. über Xetra, Tradegate oder gettex
- Laufende Kosten Bitcoin
- Ab ca. 0,05 % bis 1,49 % pro Jahr je nach Produkt
- Kaufkosten
- Ordergebühr des Brokers plus Börsenspread
- Sparplan
- Bei vielen Neobrokern ab 1 bis 25 Euro möglich
- Steuer Deutschland
- In der Praxis meist Abgeltungsteuer, Bank behält ein
- Eigene Wallet nötig
- Nein
ETF, ETP, ETC, ETN: was die Begriffe bedeuten
Ein ETF, Exchange Traded Fund, ist ein börsengehandelter Fonds. In der EU sind fast alle ETFs nach der OGAW-Richtlinie aufgelegt, im Englischen UCITS. Diese Regeln verlangen eine Streuung: Ein Fonds darf nicht überwiegend in einen einzigen Wert investieren, und direkte Investments in Kryptowährungen sind nicht vorgesehen. Ein Bitcoin-ETF nach europäischem Fondsrecht ist deshalb praktisch nicht möglich. Es gibt allerdings Aktien-ETFs, die in Unternehmen aus der Kryptobranche investieren, etwa Börsenbetreiber, Miner oder Firmen mit Bitcoin in der Bilanz. Diese bilden aber nicht den Kurs von Bitcoin ab, sondern den von Aktien.
Ein ETP, Exchange Traded Product, ist der Oberbegriff für börsengehandelte Produkte, die kein Fonds sind. Juristisch handelt es sich meist um Schuldverschreibungen eines Emittenten, die mit einem Basiswert besichert sind. ETC steht für Exchange Traded Commodity oder Crypto, ETN für Exchange Traded Note. Bei Krypto werden die Begriffe nicht einheitlich benutzt: Manche Emittenten nennen ihr Produkt ETC, andere ETP oder ETN. Entscheidend ist nicht der Name, sondern die Besicherung. Ein physisch besichertes ETP hält für jedes ausgegebene Wertpapier die entsprechende Menge echter Coins bei einer Verwahrstelle. Ein unbesichertes ETN ist dagegen nur ein Zahlungsversprechen des Emittenten.
Und die US-ETFs? Die Spot-Bitcoin-ETFs, die seit Januar 2024 in den USA gehandelt werden, sind für Privatanleger in der EU in der Regel nicht erhältlich, weil für sie kein Basisinformationsblatt nach der europäischen PRIIPs-Verordnung vorliegt. Ohne dieses Dokument dürfen Broker sie Privatkunden nicht verkaufen. Die Zu- und Abflüsse dieser US-Fonds sind trotzdem ein guter Stimmungsindikator; sie stehen täglich auf unserer Seite zu den ETF-Flüssen unter /marktdaten/etf-fluesse.
| Was dahinter steckt | Emittentenrisiko | Für Anfänger | |
|---|---|---|---|
| Physisch besichertes Krypto-ETP | Echte Coins bei Verwahrstelle | Gering, Coins sind Sicherheit | Gut geeignet |
| Unbesichertes ETN | Zahlungsversprechen | Voll | Eher meiden |
| Gehebeltes ETP (2x, 3x) | Täglich neu berechneter Hebel | Je nach Struktur | Nicht geeignet |
| Basket-ETP | Mehrere Coins nach Index | Gering bei physischer Besicherung | Möglich, aber teurer |
| Krypto-Aktien-ETF (UCITS) | Aktien von Kryptofirmen | Kein, Sondervermögen | Möglich, anderes Risiko |
| US-Spot-ETF | Fonds mit echten Bitcoin | Kein | In der EU meist nicht kaufbar |
Wie ein physisches Krypto-ETP funktioniert
Der Emittent, etwa 21Shares, CoinShares, WisdomTree, Bitwise oder iShares, gibt Wertpapiere aus. Für jedes Wertpapier kauft er eine festgelegte Menge des Coins und lässt sie bei einer spezialisierten Verwahrstelle in Cold Storage lagern. Ein Treuhänder überwacht, dass die Sicherheiten den Anlegern zustehen, falls der Emittent pleitegeht. Neue Wertpapiere werden über sogenannte autorisierte Teilnehmer geschaffen oder zurückgegeben. Market Maker stellen an der Börse laufend Kauf- und Verkaufskurse, sodass der Kurs des ETP eng am Wert der hinterlegten Coins bleibt.
Die jährliche Gebühr, die Gesamtkostenquote oder TER, wird meist dadurch erhoben, dass die Menge an Coins pro Wertpapier täglich ein kleines Stück sinkt. Bei 0,15 Prozent im Jahr hält ein Wertpapier nach einem Jahr 0,15 Prozent weniger Bitcoin als am Anfang. Du siehst die Gebühr nicht als Abbuchung, sondern als leichte Abweichung von der Bitcoin-Kursentwicklung. Viele Emittenten veröffentlichen die aktuelle Menge an Coins pro Wertpapier täglich auf ihrer Website. Bei manchen Produkten kannst du dir als Anleger die Coins sogar ausliefern lassen, das ist aber meist an Mindestmengen und Gebühren geknüpft und für Anfänger kaum relevant.
Was Krypto-ETPs kosten
Die Kosten haben drei Bestandteile: die jährliche Kostenquote des Produkts, die Ordergebühr deines Brokers und den Spread an der Börse. Bei der Kostenquote gibt es große Unterschiede. Ältere Produkte aus den Jahren vor 2024 verlangen teils 1 bis 2,5 Prozent im Jahr, neuere Bitcoin-ETPs kosten nach dem Preiskampf ab 2024 nur noch einen Bruchteil davon. Wer sich nur den Namen eines Anbieters merkt, kann leicht das teure statt des günstigen Produkts desselben Hauses kaufen. Bei 21Shares etwa kostet das Bitcoin Core ETP laut Finanzfluss 0,10 Prozent, das ältere 21Shares Bitcoin ETP 1,49 Prozent.
| ISIN | Kostenquote pro Jahr | Hinweis | |
|---|---|---|---|
| Bitwise Core Bitcoin ETC | DE000A4AER62 | 0,05 % | Deutscher Emittent |
| 21Shares Bitcoin Core ETP | CH1199067674 | 0,10 % | Günstige Variante von 21Shares |
| WisdomTree Physical Bitcoin | GB00BJYDH287 | 0,15 % | Physisch, ETC |
| iShares Bitcoin ETP | Beim Emittenten prüfen | 0,15 % | BlackRock-Produkt |
| CoinShares Physical Bitcoin | Beim Emittenten prüfen | 0,35 % | Großes Volumen |
| 21Shares Bitcoin ETP | CH0454664001 | 1,49 % | Ältere, teure Variante |
Was der Unterschied in Euro bedeutet: Bei 5.000 Euro Anlage kostet ein Produkt mit 0,10 Prozent rund 5 Euro im Jahr, eines mit 1,49 Prozent rund 75 Euro. Über zehn Jahre und bei steigendem Kurs wird daraus ein Betrag im hohen dreistelligen oder vierstelligen Bereich. Die Kostenquote ist damit für langfristige Anleger der wichtigste Kostenpunkt. Für Ether-ETPs gibt es ebenfalls günstige und teure Varianten, die Spanne ist ähnlich. Basket-ETPs, die mehrere Coins nach einem Index halten und regelmäßig umschichten, sind in der Regel deutlich teurer als reine Bitcoin- oder Ether-Produkte.
Dazu kommen die Handelskosten. Beim Neobroker zahlst du pro Order oft 1 Euro oder weniger, Sparpläne sind häufig kostenlos. Bei Filialbanken können es 5 bis 10 Euro oder ein Prozentsatz sein. Der Börsenspread bei großen Bitcoin-ETPs ist zu Handelszeiten der Hauptbörse meist eng. Er weitet sich aber aus, wenn die Börse handelt, der Kryptomarkt sich stark bewegt oder Bitcoin am Wochenende gehandelt wurde, während die Börse geschlossen war. Krypto handelt rund um die Uhr, Xetra nicht. Am Montagmorgen kann der ETP-Kurs deshalb einen Sprung machen.
Ein ETP auswählen: die fünf Prüfpunkte
Checkliste vor dem Kauf
- Basiswert: Willst du nur Bitcoin, Bitcoin und Ether oder einen Korb? Für den Einstieg ist ein einzelnes, großes Asset am einfachsten zu verstehen.
- Besicherung: Im Factsheet muss stehen, dass das Produkt vollständig physisch mit dem Coin besichert ist. Kein Hebel, kein Short, keine reine Note ohne Sicherheiten.
- Kostenquote: Vergleiche die TER mehrerer Anbieter für denselben Coin. Unterschiede von mehr als einem Prozentpunkt sind bei Bitcoin keine Seltenheit.
- Größe und Handel: Ein Fondsvolumen von mehreren hundert Millionen Euro und Handel an Xetra oder einer anderen großen Börse sprechen für enge Spreads.
- Broker und Sparplan: Prüfe, ob dein Broker genau dieses Produkt anbietet und ob es sparplanfähig ist. Nicht jedes ETP ist bei jedem Broker verfügbar.
Die wichtigsten Angaben findest du im Factsheet und im Basisinformationsblatt des Emittenten. Achte auf die ISIN, denn sie identifiziert das Produkt eindeutig. Ähnlich klingende Namen können sehr unterschiedliche Produkte sein. Die Verwahrstelle, also wer die Coins tatsächlich lagert, steht im Prospekt. Bekannte Namen sind etwa Coinbase Custody, BitGo oder Komainu. Für dich als Anleger ist vor allem wichtig, dass es eine unabhängige Verwahrung und einen Treuhänder für die Sicherheiten gibt.
Schritt für Schritt: Krypto-ETP im Depot kaufen
So kaufst du dein erstes Bitcoin-ETP
- Depot eröffnen, falls du noch keins hast. Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital, flatex oder ING bieten Krypto-ETPs an; prüfe vorher, ob dein Wunschprodukt dabei ist.
- In der Suche die ISIN des Produkts eingeben, nicht nur den Namen. So landest du sicher beim richtigen Wertpapier.
- Basisinformationsblatt lesen. Der Broker zeigt es dir vor dem ersten Kauf an, und du musst bestätigen, dass du es kennst.
- Bei manchen Brokern musst du für Krypto-ETPs eine Erfahrungsabfrage beantworten oder die Risikoklasse bestätigen.
- Handelsplatz wählen. Xetra oder der Handelsplatz mit dem größten Volumen hat meist den engsten Spread. Beim Neobroker ist der Platz oft fest vorgegeben.
- Orderart festlegen. Für Anfänger ist eine Limit-Order sinnvoll, damit du nicht zu einem plötzlich ausgeweiteten Kurs kaufst.
- Betrag oder Stückzahl eingeben, Kosten in der Vorschau prüfen und Order bestätigen.
- Alternativ einen Sparplan einrichten: Betrag, Rhythmus und Ausführungstag wählen. So verteilst du deine Käufe über die Zeit.
- Abrechnung im Postfach ablegen. Sie ist zugleich dein Beleg für die Steuer.
Ein Sparplan ist für Anfänger oft die entspanntere Variante. Du legst zum Beispiel 50 Euro pro Monat fest, und der Broker kauft automatisch. So entfällt die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt, und Kursschwankungen gleichen sich über die Zeit ein Stück weit aus. Bei Krypto mit Schwankungen von 50 Prozent und mehr innerhalb eines Jahres ist das besonders hilfreich, weil du nicht zufällig alles an einem Hochpunkt investierst. Wie sich die Sparplan-Kosten bei verschiedenen Anbietern unterscheiden, zeigt unser Bitcoin-Sparplan-Vergleich; ein Beispiel für ein ETP-Sparplan bei einer Direktbank beschreibt unser Ratgeber zum Bitcoin-ETP-Sparplan bei comdirect.
ETP oder echte Coins?
Die Alternative zum ETP ist der Kauf echter Coins bei einer Krypto-Börse oder einem Krypto-Broker. Beides hat Vor- und Nachteile, und die Wahl hängt weniger von der Rendite als von Bequemlichkeit, Steuer und Kontrolle ab. Das ETP liegt im gewohnten Depot, du brauchst keine Wallet, keine Seed-Phrase und kein zweites Konto. Dafür besitzt du keine Coins, sondern ein Wertpapier, kannst nur zu Börsenzeiten handeln und zahlst eine laufende Gebühr. Echte Coins kannst du auf eine eigene Wallet übertragen, rund um die Uhr handeln und ohne laufende Kosten halten, musst dich aber um Sicherheit und Steuerdokumentation selbst kümmern.
| Krypto-ETP | Echte Coins | |
|---|---|---|
| Wo | Normales Wertpapierdepot | Krypto-Börse, App oder eigene Wallet |
| Laufende Kosten | Kostenquote 0,05 bis 1,5 % pro Jahr | Keine bei Verwahrung in eigener Wallet |
| Handelszeiten | Börsenzeiten | Rund um die Uhr |
| Steuer Deutschland | Meist Abgeltungsteuer, keine Haltefrist | Nach einem Jahr steuerfrei, sonst Einkommensteuer |
| Steuererklärung | Bank erledigt den Abzug | Selbst erklären, Anlage SO |
| Eigene Verwahrung | Nicht möglich | Möglich |
| Nutzung (Zahlen, Staking) | Nein, manche ETPs mit Staking | Ja |
Den Steuerunterschied unterschätzen viele. Gewinne aus echten Coins sind nach mehr als einem Jahr Haltedauer in Deutschland nach aktueller Rechtslage steuerfrei. Bei ETPs behandeln die meisten Banken Gewinne als Kapitalerträge und behalten die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein, egal wie lange du das Papier hältst. Ob für physisch besicherte ETPs mit Lieferanspruch ähnlich wie bei Xetra-Gold eine Haltefrist gelten kann, ist umstritten und nicht abschließend geklärt. Dafür nutzt du beim ETP den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro und die Verlustverrechnung mit Aktien. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du in unserem Ratgeber Bitcoin-ETP gegen ETF.
Risiken, die Anfänger kennen sollten
Das größte Risiko ist der Kurs. Bitcoin hat in der Vergangenheit mehrfach 70 bis 80 Prozent vom Höchststand verloren, kleinere Coins oft noch mehr. Ein ETP ändert daran nichts, es bildet den Kurs nur ab. Dazu kommen Produktrisiken. Bei physisch besicherten ETPs sind die Coins als Sicherheit hinterlegt, aber du bist auf Emittent, Verwahrstelle und Treuhänder angewiesen. Bei unbesicherten ETNs trägst du das volle Ausfallrisiko des Emittenten. Gehebelte ETPs verlieren in schwankenden Märkten durch die tägliche Neuberechnung Wert, selbst wenn der Kurs am Ende wieder dort steht, wo er anfing.
Hinzu kommt das Wochenendrisiko: Bricht Bitcoin am Samstag ein, kannst du dein ETP erst am Montag verkaufen, dann zu einem Kurs, der den Einbruch bereits enthält. Und schließlich gibt es Währungseffekte. Bitcoin wird international in US-Dollar gehandelt; auch wenn dein ETP in Euro notiert, wirkt sich der Wechselkurs auf deinen Wert in Euro aus. Wie die Stimmung am Kryptomarkt gerade ist, kannst du auf unserer Seite zum Angst-und-Gier-Index unter /marktdaten/angst-und-gier verfolgen. Sie ersetzt keine Entscheidung, zeigt aber, ob gerade Euphorie oder Panik herrscht.
Wie viel Krypto im Depot?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Verbraucherschützer und viele Finanzratgeber raten, nur Geld in Krypto zu stecken, dessen Verlust du verkraften kannst, und den Anteil am Gesamtvermögen klein zu halten. Häufig genannt werden Größenordnungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich des Depots. Vorher sollten ein Notgroschen und eine breite Grundanlage stehen, etwa ein weltweit gestreuter Aktien-ETF. Das ist keine Empfehlung für eine bestimmte Quote, sondern eine Einordnung, wie viele Anleger an das Thema herangehen.
Typische Anfängerfehler
Erstens: Nach Namen statt ISIN kaufen und so das teure statt des günstigen Produkts erwischen. Zweitens: Ein gehebeltes oder Short-ETP kaufen, weil es in der Suche weit oben stand. Drittens: Mit Market-Order am Montagmorgen oder kurz nach Börseneröffnung kaufen, wenn der Spread breit ist. Viertens: Ein Basket-ETP mit hoher Kostenquote wählen, obwohl der Korb zu über zwei Dritteln aus Bitcoin und Ether besteht. Fünftens: Annehmen, die einjährige Haltefrist gelte auch für ETPs. Sechstens: Den Anteil im Depot nach einem Kursanstieg nicht mehr im Blick haben und dadurch ein viel höheres Risiko tragen als geplant.
Österreich und Schweiz
In Österreich sind Krypto-ETPs bei den meisten Brokern verfügbar. Gewinne unterliegen dem Satz von 27,5 Prozent; bei einem steuereinfachen inländischen Broker wird die KESt automatisch abgezogen, bei ausländischen Brokern musst du die Erträge in der Beilage E1kv selbst erklären. In der Schweiz werden viele Krypto-ETPs an der SIX gehandelt, mehrere Emittenten wie 21Shares stammen von dort. Private Kursgewinne sind in der Schweiz grundsätzlich steuerfrei, die ETPs gehören aber ins Wertschriftenverzeichnis und unterliegen der Vermögenssteuer.
Rechenbeispiel: 100 Euro im Monat über fünf Jahre
Wie sich Kostenquote und Handelskosten über die Zeit auswirken, zeigt ein einfaches Beispiel mit runden Annahmen. Du sparst fünf Jahre lang jeden Monat 100 Euro in ein Bitcoin-ETP, insgesamt 6.000 Euro. Der Sparplan ist bei deinem Broker kostenlos, der Spread bei der Ausführung liegt bei etwa 0,1 Prozent. Die Handelskosten über fünf Jahre betragen damit nur rund 6 Euro. Entscheidend ist die laufende Kostenquote. Bei durchschnittlich 3.000 Euro angelegtem Kapital über die Laufzeit, ohne Kursveränderung gerechnet, kostet ein Produkt mit 0,10 Prozent rund 15 Euro über fünf Jahre, eines mit 1,49 Prozent rund 225 Euro.
Steigt der Kurs, wachsen auch die Kosten, weil die Quote auf den aktuellen Wert berechnet wird. Fällt er, sinken sie. Die Relation bleibt aber gleich: Das teure Produkt kostet etwa das Fünfzehnfache des günstigen. Für denselben Bitcoin-Kurs bekommst du beim günstigen Produkt am Ende spürbar mehr Gegenwert. Nach Steuern ändert sich die Rechnung noch einmal, weil Kursgewinne beim ETP mit Abgeltungsteuer belastet werden, soweit sie den Sparerpauschbetrag übersteigen. Das gilt für beide Produkte gleich und verschiebt den Kostenvorteil nicht.
Ether-ETPs, Staking und Baskets
Neben Bitcoin gibt es Krypto-ETPs auf Ether, Solana, XRP und viele weitere Coins. Für Ether bieten mehrere Emittenten günstige Kernprodukte an, die ähnlich wie bei Bitcoin im Bereich weniger Zehntelprozent kosten. Einige Produkte auf Ether, Solana oder andere Proof-of-Stake-Coins staken die hinterlegten Coins und geben einen Teil der Erträge über eine leicht steigende Coin-Menge pro Wertpapier an die Anleger weiter. Das klingt attraktiv, bringt aber zusätzliche Risiken, etwa Sperrfristen beim Staking oder Strafen, wenn ein Validator Fehler macht. Lies im Factsheet nach, ob und wie das Produkt stakt und welchen Anteil der Erträge der Emittent einbehält.
Basket-ETPs bilden einen Index aus mehreren Coins ab, gewichtet meist nach Marktkapitalisierung und monatlich oder quartalsweise angepasst. Weil Bitcoin und Ether zusammen den Großteil des Kryptomarkts ausmachen, bestehen auch diese Körbe oft zu 70 bis 90 Prozent aus diesen beiden Coins. Wie groß der Anteil von Bitcoin am Gesamtmarkt gerade ist, zeigt die Bitcoin-Dominanz auf unserer Marktübersicht unter /marktdaten/maerkte. Für Anfänger ist ein Basket nur dann sinnvoll, wenn du bewusst kleinere Coins beimischen willst und die höhere Kostenquote akzeptierst.
Verkaufen und Depotwechsel
Verkaufen funktioniert wie bei einer Aktie: Order im Depot aufgeben, idealerweise mit Limit und zu den Handelszeiten der Hauptbörse, wenn der Spread am engsten ist. Der Erlös landet auf deinem Verrechnungskonto, die Bank behält die Steuer auf den Gewinn ein. Willst du das Depot wechseln, kannst du die ETPs per Depotübertrag zu einem anderen Broker umziehen lassen, sofern der neue Broker das Produkt führt. Die Anschaffungsdaten werden dabei mitübertragen, damit die neue Bank den Gewinn später richtig berechnet. Ein Übertrag ist bei den meisten Banken kostenlos und dauert einige Tage bis wenige Wochen.
Häufige Fragen zum Krypto-ETF für Anfänger
Gibt es echte Bitcoin-ETFs in Deutschland?
Nach europäischem Fondsrecht praktisch nicht, weil ein Fonds nicht nur einen einzelnen Kryptowert halten darf. Was als Bitcoin-ETF beworben wird, ist meist ein Bitcoin-ETP. US-Spot-ETFs sind für Privatanleger in der EU in der Regel nicht kaufbar.
Ist ein Krypto-ETP sicherer als echte Coins?
Es ist einfacher, weil du keine Wallet und keine Seed-Phrase brauchst. Das Kursrisiko ist dasselbe. Bei physisch besicherten Produkten sind die Coins hinterlegt; bei unbesicherten Noten trägst du zusätzlich das Ausfallrisiko des Emittenten.
Welches Bitcoin-ETP ist am günstigsten?
Laut Finanzfluss lagen 2026 Produkte wie Bitwise Core Bitcoin bei 0,05 Prozent, 21Shares Bitcoin Core bei 0,10 Prozent und WisdomTree oder iShares bei 0,15 Prozent Kostenquote. Kostenquoten ändern sich, prüfe sie vor dem Kauf beim Emittenten.
Kann ich ein Krypto-ETP per Sparplan kaufen?
Bei vielen Neobrokern und Direktbanken ja, oft ab 1 bis 25 Euro im Monat. Welches Produkt sparplanfähig ist, unterscheidet sich je nach Broker.
Wie werden Krypto-ETPs versteuert?
In der Praxis behandeln Banken Gewinne meist als Kapitalerträge und behalten Abgeltungsteuer ein, ohne Haltefrist. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro gilt. Ob bei physischen ETPs mit Lieferanspruch eine Haltefrist greifen kann, ist umstritten.
Was passiert, wenn der Emittent pleitegeht?
Bei physisch besicherten ETPs sind die Coins als Sicherheit hinterlegt und werden über einen Treuhänder zugunsten der Anleger verwertet. Ein Krypto-ETP ist aber kein Sondervermögen wie ein Fonds, das Verfahren kann dauern.
Sind Basket-ETPs für Anfänger sinnvoll?
Sie streuen über mehrere Coins, sind aber meist teurer und bestehen oft überwiegend aus Bitcoin und Ether. Wer Einfachheit und niedrige Kosten will, fährt mit einem Bitcoin- oder Ether-ETP oft klarer.
Warum springt der Kurs meines ETP am Montag?
Weil Krypto am Wochenende weiter gehandelt wird, die Börse aber geschlossen ist. Am Montag holt der ETP-Kurs die Bewegung des Wochenendes nach.
Brauche ich für ein Krypto-ETP eine Wallet?
Nein. Das ETP liegt in deinem Wertpapierdepot wie eine Aktie. Eine Wallet brauchst du nur, wenn du echte Coins kaufst und selbst verwahren willst.
Unterm Strich ist ein physisch besichertes Krypto-ETP für viele Anfänger der einfachste Weg zu Bitcoin oder Ether: kaufbar im normalen Depot, ohne Wallet, mit automatischem Steuerabzug. Achte auf ISIN, Besicherung und Kostenquote, nutze Limit-Orders oder einen Sparplan und halte den Anteil so klein, dass du einen starken Rückgang aushältst. Dieser Ratgeber ist keine Anlageberatung.
Risikohinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Kryptowerte sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich.


