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USDT vs. USDC: Reserven, MiCA-Status und Einfrierbarkeit – welcher Stablecoin für Anleger in der EU taugt
Ratgeber

USDT vs. USDC: Reserven, MiCA-Status und Einfrierbarkeit – welcher Stablecoin für Anleger in der EU taugt

USDT von Tether ist der größte Stablecoin der Welt, USDC von Circle der in der EU zugelassene. Wir vergleichen Reserven, Prüfberichte, MiCA-Status, die Delistings an EU-Börsen, wer Guthaben einfrieren kann, Netzwerke und Gebühren und erklären die Steuer auf Dollar-Stablecoins.

USDT vs. USDC ist für Anleger in der EU seit Juli 2026 vor allem eine Regulierungsfrage. Beide sind Stablecoins, die einen US-Dollar abbilden und mit Bankguthaben und kurzlaufenden US-Staatsanleihen gedeckt sind. USDC von Circle ist nach der europäischen MiCA-Verordnung als E-Geld-Token zugelassen und an regulierten Börsen in der EU weiter handelbar. USDT von Tether hat keine solche Zulassung, und seit dem Ende der MiCA-Übergangsfristen am 1. Juli 2026 bieten zugelassene Plattformen im Europäischen Wirtschaftsraum nach übereinstimmenden Berichten keinen USDT-Handel mehr an. Verboten ist USDT damit nicht: Du darfst ihn in einer eigenen Wallet halten und auf dezentralen Börsen tauschen. Weltweit bleibt USDT mit rund 185 Milliarden Dollar Umlauf Mitte 2026 deutlich größer als USDC mit rund 75 Milliarden. Hier steht, wie sich die beiden bei Reserven, Prüfungen, Einfrierbarkeit, Netzwerken und Kosten unterscheiden und was für dich als Anleger in Deutschland daraus folgt.

USDT und USDC auf einen Blick (Stand: November 2026)

Herausgeber
USDT: Tether (El Salvador); USDC: Circle (USA), EU-Gesellschaft in Frankreich
Umlauf Mitte 2026
USDT rund 185 Mrd. US-Dollar; USDC rund 73 bis 75 Mrd. US-Dollar
MiCA-Zulassung
USDC und EURC: ja, als E-Geld-Token über Frankreich; USDT: nein
Handel an EU-Börsen
USDC: ja; USDT: seit 1. Juli 2026 an zugelassenen Plattformen im EWR praktisch nicht mehr
Reserveberichte
USDT: vierteljährliche Bestätigung durch BDO; USDC: monatliche Bestätigung durch Deloitte
Reserven
Beide überwiegend US-Staatsanleihen und Bankguthaben; Tether zusätzlich Gold, Bitcoin und Kredite
Einfrieren möglich
Ja, bei beiden über Funktionen im Token-Vertrag
Steuer in Deutschland
Kryptowerte nach § 23 EStG; Dollar-Kursgewinne gegenüber dem Euro innerhalb eines Jahres steuerpflichtig

Was USDT und USDC gemeinsam haben

Beide Stablecoins funktionieren nach demselben Grundprinzip. Ein Unternehmen gibt digitale Token aus, die jeweils einen US-Dollar wert sein sollen. Wer Token haben will, zahlt Dollar ein, wer sie zurückgeben will, bekommt Dollar zurück. Das ausgebende Unternehmen legt die eingezahlten Dollar in Reserven an, vor allem in kurzlaufende US-Staatsanleihen und Bankguthaben, und verdient an den Zinsen. Die Inhaber der Token bekommen diese Zinsen nicht. Das ist das Geschäftsmodell: Tether hat damit nach Berichten 2025 einen Gewinn von über 10 Milliarden Dollar erzielt, Circle ist inzwischen börsennotiert und veröffentlicht Quartalsberichte.

Für Privatanleger ist der direkte Umtausch beim Herausgeber in der Regel nicht vorgesehen oder an hohe Mindestbeträge und eine Identitätsprüfung gebunden. Du kaufst und verkaufst die Token stattdessen an Börsen. Dass der Kurs trotzdem bei etwa einem Dollar bleibt, liegt an großen Marktteilnehmern, die Abweichungen ausnutzen: Fällt der Kurs unter einen Dollar, kaufen sie billig und lösen beim Herausgeber zum vollen Wert ein. Diese Arbitrage funktioniert nur, solange der Markt dem Herausgeber vertraut, dass die Reserven vollständig vorhanden und schnell verfügbar sind. Genau dort liegen die Unterschiede zwischen USDT und USDC.

Wie Stablecoins grundsätzlich funktionieren, welche Arten es gibt und was die MiCA-Verordnung allgemein verlangt, erklärt unser Grundlagenratgeber Was ist ein Stablecoin. Die aktuellen Marktanteile der großen Stablecoins zeigt unsere Datenseite unter /marktdaten/stablecoins, und wie viel USDT und USDC auf bekannten Börsen-Wallets liegt und wie sich das verändert, siehst du unter /marktdaten/boersen-wallets.

Kurze Geschichte: wie USDT und USDC entstanden

USDT ist der älteste große Stablecoin. Tether brachte ihn 2014 auf den Markt, ursprünglich auf einer Erweiterung des Bitcoin-Netzwerks, später auf Ethereum, Tron und vielen weiteren Netzen. Über Jahre war USDT praktisch die einzige Möglichkeit, an Kryptobörsen ohne Bankanbindung in Dollar zu rechnen, und viele Börsen in Asien bauten ihren gesamten Handel darauf auf. Diese frühe Verbreitung ist bis heute der wichtigste Grund für die Größe von USDT. Die Geschichte ist aber auch von Kontroversen geprägt: 2021 einigte sich Tether mit der Generalstaatsanwaltschaft des Staates New York auf eine Zahlung von 18,5 Millionen Dollar, nachdem die Behörde frühere Angaben zur Deckung als irreführend bewertet hatte.

USDC entstand 2018 als Gemeinschaftsprojekt von Circle und der Börse Coinbase, ausdrücklich als regulierte Alternative zu USDT. Circle setzte von Anfang an auf Zulassungen in den USA, regelmäßige Bestätigungen und Partnerschaften mit großen Finanzhäusern. 2023 übernahm Circle die vollständige Kontrolle über USDC, Coinbase blieb über eine Vereinbarung an den Erträgen beteiligt. 2025 ging Circle in New York an die Börse. Mit dem US-Stablecoin-Gesetz, das 2025 verabschiedet wurde, und der MiCA-Verordnung in Europa hat sich die Strategie, früh auf Regulierung zu setzen, für Circle vor allem in westlichen Märkten ausgezahlt.

Reserven und Prüfberichte im Vergleich

Tether veröffentlicht vierteljährlich eine Bestätigung seiner Reserven, eine sogenannte Attestation, erstellt von der Prüfgesellschaft BDO Italia. Laut der Bestätigung für das zweite Quartal 2026 standen einem Umlauf von rund 184,6 Milliarden Dollar gemeldete Vermögenswerte von rund 187,8 Milliarden gegenüber. Der größte Teil sind US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit. Daneben hält Tether nach früheren Berichten Gold im Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar, Bitcoin, besicherte Kredite und weitere Anlagen. Der Überschuss über den Umlauf dient als Puffer, falls einzelne Anlagen an Wert verlieren.

Circle veröffentlicht monatliche Bestätigungen, erstellt von Deloitte. Die Reserven von USDC liegen zum größten Teil in einem von BlackRock verwalteten Geldmarktfonds, der kurzlaufende US-Staatsanleihen und Rückkaufvereinbarungen hält, und zu einem kleineren Teil als Bargeld bei Banken. Gold, Bitcoin oder Kredite hält Circle für USDC nicht. Als börsennotiertes Unternehmen unterliegt Circle außerdem den Berichtspflichten der US-Börsenaufsicht. Unter MiCA muss die europäische Gesellschaft zusätzlich einen großen Teil der Reserven für Euro- und Dollar-Token bei europäischen Banken halten.

Reserven und Transparenz
USDT (Tether)USDC (Circle)
Prüfer der ReservebestätigungBDO ItaliaDeloitte
HäufigkeitVierteljährlichMonatlich
Vollständige AbschlussprüfungBisher keine vollständige Prüfung nach Big-Four-Standard veröffentlichtKonzernabschluss als börsennotiertes Unternehmen geprüft
HauptanlageKurzlaufende US-StaatsanleihenGeldmarktfonds mit Staatsanleihen und Repos, Bankguthaben
Weitere AnlagenGold, Bitcoin, besicherte Kredite, sonstigeKeine riskanteren Anlagen
Überschuss über UmlaufLaut Q2 2026 rund 3 Mrd. US-DollarReserven entsprechen dem Umlauf
Bekannte VorfälleVergleich mit der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft 2021 wegen früherer AngabenKurzer Verlust der Bindung im März 2023 wegen Guthaben bei der Silicon Valley Bank

Eine Bestätigung ist weniger als eine vollständige Abschlussprüfung. Sie sagt, dass zu einem Stichtag bestimmte Vermögenswerte vorhanden waren, nicht, wie sie sich zwischen den Stichtagen entwickelt haben oder ob es weitere Verbindlichkeiten gibt. Kritiker bemängeln bei Tether seit Jahren, dass es keine vollständige Prüfung durch eine der vier großen Prüfungsgesellschaften gibt. Bei USDC zeigte der März 2023, dass auch konservative Reserven ein Risiko tragen: Circle hatte 3,3 Milliarden Dollar bei der zusammengebrochenen Silicon Valley Bank liegen, USDC fiel kurzzeitig auf rund 88 Cent und erholte sich, als die US-Behörden alle Einlagen garantierten.

MiCA: warum USDT aus EU-Börsen verschwunden ist

Die MiCA-Verordnung unterscheidet bei Stablecoins zwischen E-Geld-Token, die sich auf eine einzige amtliche Währung beziehen, und vermögenswertreferenzierten Token. USDT und USDC sind E-Geld-Token. Wer solche Token in der EU öffentlich anbieten oder zum Handel zulassen will, muss als Kreditinstitut oder E-Geld-Institut zugelassen sein, ein Whitepaper veröffentlichen, Reserven nach bestimmten Regeln halten und Inhabern ein Recht auf Rücktausch zum Nennwert einräumen. Circle hat 2024 eine E-Geld-Lizenz in Frankreich erhalten und gibt USDC und den Euro-Stablecoin EURC seitdem MiCA-konform aus. Tether hat eine solche Zulassung nicht beantragt und die Anforderungen öffentlich kritisiert.

Für Börsen und Broker in der EU folgt daraus: Sie dürfen nicht zugelassene E-Geld-Token nicht mehr anbieten. Die großen Plattformen haben USDT schrittweise entfernt, Coinbase für Kunden im Wirtschaftsraum schon im Dezember 2024, Binance die Spot-Handelspaare mit USDT im ersten Quartal 2025. Mit dem Ende der letzten nationalen Übergangsfristen am 1. Juli 2026 ist USDT nach Berichten an keiner nach MiCA zugelassenen Plattform im Wirtschaftsraum mehr handelbar. Revolut etwa kündigte an, Käufe ab Juli 2026 zu sperren und Restbestände nach dem Delisting Ende August automatisch umzutauschen. Andere Anbieter verfahren ähnlich, mit eigenen Fristen.

Wichtig: Das ist eine Beschränkung für Anbieter, kein Verbot für Privatpersonen. Du darfst USDT weiter in einer eigenen Wallet halten, an andere senden und auf dezentralen Börsen tauschen. Was fehlt, ist der einfache Weg zurück in Euro über eine regulierte Plattform in der EU. Wer noch USDT auf einer Börse hält, sollte die Hinweise seines Anbieters zu Fristen und automatischen Umtauschen lesen. Wer USDT in einer eigenen Wallet hat, kann sie auf einer dezentralen Börse in USDC tauschen und dann an einer regulierten Börse in Euro verkaufen. Jeder dieser Schritte ist steuerlich ein Tausch.

Wer kann Guthaben einfrieren?

Beide Stablecoins sind zentral ausgegeben, und beide Herausgeber können Guthaben auf einzelnen Adressen sperren. Die Token-Verträge enthalten dafür Funktionen, mit denen der Herausgeber eine Adresse auf eine Sperrliste setzt. Danach kann diese Adresse die Token weder senden noch empfangen. Tether hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren Guthaben im Wert von mehreren Milliarden Dollar auf Adressen eingefroren, die mit Betrug, Hacks oder Sanktionen in Verbindung gebracht wurden, oft auf Anfrage von Strafverfolgungsbehörden. Circle sperrt Adressen ebenfalls, nach eigener Darstellung vor allem auf rechtliche Anordnung und bei Sanktionen.

Der Unterschied liegt weniger in der Technik als in der Praxis. Tether gilt als schneller und häufiger beim Einfrieren, teils auf Hinweise von Ermittlern ohne förmliche Anordnung, was Opfern von Betrug manchmal hilft, ihr Geld zurückzubekommen. Circle betont, nur auf Basis rechtlicher Grundlagen zu sperren, und unterliegt als in den USA und in der EU regulierter Herausgeber klaren Vorgaben. Für dich als normalen Nutzer ist das Risiko einer Sperre gering, solange du nicht mit Adressen interagierst, die auf Sanktionslisten stehen oder aus Straftaten stammen. Wer USDT oder USDC von Unbekannten annimmt, etwa bei privaten Verkäufen, trägt allerdings das Risiko, gesperrte oder später gesperrte Token zu bekommen.

Netzwerke, Gebühren und Verfügbarkeit

USDT und USDC existieren auf vielen Blockchains. USDT ist besonders stark auf Tron vertreten, wo ein großer Teil der weltweiten USDT-Überweisungen läuft, sowie auf Ethereum. USDC ist vor allem auf Ethereum, Solana, Base und anderen Layer-2-Netzen verbreitet. Für dich zählt: Sende Stablecoins immer auf dem Netzwerk, das der Empfänger unterstützt. Ein USDC auf Solana ist auf Ethereum nicht sichtbar, und eine Überweisung auf ein falsches Netzwerk kann verloren gehen, wenn die Empfangsseite es nicht unterstützt.

USDT und USDC in der Praxis
USDTUSDC
Wichtigste NetzwerkeTron, Ethereum, weitereEthereum, Solana, Base, Arbitrum, weitere
Handel an MiCA-Börsen in der EUNein seit Juli 2026Ja
Euro-Ein- und Auszahlung in der EUNur über UmwegeDirekt über regulierte Börsen
Nutzung in DeFiWeit verbreitetWeit verbreitet, besonders auf Ethereum und Base
Liquidität weltweitGrößter Stablecoin, vor allem in Asien und SchwellenländernZweitgrößter, stark in den USA und Europa
Euro-VarianteEURT eingestelltEURC, MiCA-konform

Die Kosten hängen weniger am Stablecoin als am Netzwerk und an der Plattform. Eine Überweisung von USDC auf Solana oder Base kostet meist Bruchteile eines Cents bis wenige Cent, auf dem Ethereum-Hauptnetz je nach Auslastung deutlich mehr. Auf Tron fallen für USDT-Überweisungen Gebühren in Form von Energie an, die je nach Konto unterschiedlich hoch sind. Beim Kauf und Verkauf an einer Börse kommt der Spread hinzu. An großen EU-Börsen ist USDC gegen Euro meist mit einem engen Spread handelbar; trotzdem zahlst du beim Umtausch die Handelsgebühr der Plattform und trägst den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar.

Das Wechselkursrisiko, das viele übersehen

USDT und USDC sind stabil gegenüber dem US-Dollar, nicht gegenüber dem Euro. Für Anleger in Deutschland ist das ein echtes Risiko. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro um zehn Prozent, verlierst du mit einem Dollar-Stablecoin in Euro gerechnet zehn Prozent, obwohl der Coin selbst stabil geblieben ist. Steigt der Dollar, gewinnst du. Ein Beispiel: Du tauschst 10.000 Euro bei einem Kurs von 1,10 Dollar je Euro in 11.000 USDC. Ein halbes Jahr später steht der Kurs bei 1,20. Deine 11.000 USDC sind dann nur noch rund 9.170 Euro wert. Bei einem Kurs von 1,00 wären es 11.000 Euro.

Wer Kryptogewinne in Stablecoins parken will, ohne Dollar-Risiko einzugehen, kann Euro-Stablecoins wie EURC von Circle nutzen, die MiCA-konform sind und einen Euro abbilden sollen. Ihr Markt ist deutlich kleiner, die Liquidität geringer, und nicht jede Börse und jedes DeFi-Protokoll unterstützt sie. Alternativ kannst du Gewinne einfach in Euro auf deinem Konto bei der Börse halten, das ist bei regulierten Anbietern ohne Umweg möglich. Ob sich ein Dollar-Stablecoin für dich lohnt, hängt davon ab, ob du überhaupt Dollar halten willst.

Was bei einem Verlust der Bindung passiert

Ein Stablecoin ist nur so stabil wie das Vertrauen in seine Reserven. Gerät dieses Vertrauen ins Wanken, verkaufen viele Inhaber gleichzeitig, und der Kurs fällt unter einen Dollar. Fachleute sprechen von einem Depeg. Bei USDC passierte das im März 2023 für rund zwei Tage, bei USDT gab es kurze Ausschläge, etwa im Mai 2022 nach dem Zusammenbruch des algorithmischen Stablecoins UST, als USDT zeitweise auf rund 95 Cent fiel. In beiden Fällen kehrte der Kurs zurück, weil die Herausgeber Rücknahmen in großem Umfang bedienten. Wer in der Panik verkaufte, realisierte einen Verlust, wer hielt, kam ohne Schaden davon.

Daraus lassen sich zwei praktische Schlüsse ziehen. Erstens solltest du Stablecoins nicht als Ersatz für ein Bankkonto mit Einlagensicherung betrachten. Für Beträge, die du sicher brauchst, ist ein Bankkonto der bessere Ort. Zweitens hängt die Stabilität im Ernstfall an der Liquidität der Reserven: Kurzlaufende Staatsanleihen lassen sich schnell verkaufen, Kredite, Gold oder Bitcoin nicht immer zum vollen Wert. Unter MiCA gelten für zugelassene E-Geld-Token deshalb Vorgaben zur Anlage der Reserven und ein gesetzliches Recht auf Rücktausch zum Nennwert. Für USDT gelten diese Vorgaben in der EU nicht.

Steuer: Stablecoins in Deutschland

Steuerlich sind USDT und USDC für Privatanleger in Deutschland Kryptowerte wie andere auch. Das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 6. März 2025 behandelt sie nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz als andere Wirtschaftsgüter. Daraus folgen drei Dinge. Erstens ist der Tausch eines Coins wie Bitcoin in USDC ein Verkauf des Bitcoin; ein Gewinn innerhalb eines Jahres nach Kauf ist steuerpflichtig, sobald deine privaten Veräußerungsgewinne die Freigrenze von 1.000 Euro im Jahr erreichen. Zweitens beginnt mit dem Erwerb der Stablecoins eine eigene Haltefrist. Drittens kann auch der Stablecoin selbst einen Gewinn oder Verlust erzeugen, weil sein Wert in Euro mit dem Dollarkurs schwankt.

Ein Beispiel: Du verkaufst im März Bitcoin gegen 5.500 USDC, damals 5.000 Euro wert. Im September tauschst du die USDC in Euro und erhältst 5.200 Euro, weil der Dollar gestiegen ist. Der Gewinn von 200 Euro aus dem USDC ist ein privates Veräußerungsgeschäft, weil zwischen Erwerb und Verkauf weniger als ein Jahr liegt. Er zählt zusammen mit allen anderen Krypto-Gewinnen des Jahres für die Freigrenze. Erhältst du für Stablecoins Zinsen, etwa beim Verleihen in DeFi oder über eine Plattform, sind diese meist sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nummer 3 mit einer Freigrenze von 256 Euro. Wie du das in der Steuererklärung einträgst, zeigt unser Ratgeber zur Anlage SO.

Welcher Stablecoin passt zu welchem Zweck?

Entscheidungshilfe für Anleger in der EU
Naheliegende WahlWarum
Gewinne kurz parken, später in Euro tauschenEuro auf dem Börsenkonto oder EURCKein Dollar-Risiko, direkter Rücktausch
Dollar halten auf einer EU-BörseUSDCMiCA-zugelassen, an EU-Börsen handelbar
DeFi auf Ethereum, Base oder SolanaUSDC, je nach Protokoll auch USDTHohe Liquidität, breite Unterstützung
Überweisungen an Partner in Asien oder SchwellenländernOft USDTDort am weitesten verbreitet
Möglichst hohe Transparenz der ReservenUSDCMonatliche Bestätigung, konservative Reserven

Für die meisten Privatanleger in Deutschland ist die Antwort pragmatisch: Wenn du überhaupt einen Dollar-Stablecoin brauchst, ist USDC an regulierten Börsen in der EU der einfachere und regulatorisch sauberere Weg. USDT bleibt relevant, wenn du mit Partnern außerhalb der EU arbeitest oder auf Plattformen und Netzen unterwegs bist, wo er dominiert. Ein Risiko trägst du bei beiden: Sie sind Forderungen gegen ein Unternehmen, sie sind nicht von einer Einlagensicherung geschützt, und sie können gesperrt werden. Für größere Beträge ist es sinnvoll, das Risiko zu verteilen oder Guthaben nicht länger als nötig in Stablecoins zu halten.

Häufige Fehler mit USDT und USDC

Erstens: das falsche Netzwerk. Wer USDT auf Tron an eine Adresse schickt, die nur Ethereum unterstützt, oder USDC über Solana an eine Börse, die USDC nur auf Ethereum annimmt, riskiert den Verlust. Prüfe bei jeder Überweisung, welches Netzwerk die Empfangsseite angibt, und sende zuerst einen kleinen Testbetrag. Zweitens: gefälschte Token. Auf vielen Netzen gibt es Token mit dem Namen USDT oder USDC, die nicht vom Herausgeber stammen. Maßgeblich ist die Vertragsadresse, die Tether und Circle auf ihren Webseiten veröffentlichen.

Drittens: Fristen beim Delisting verpassen. Wer USDT auf einer EU-Plattform hielt, sollte die Mitteilungen des Anbieters beachten; automatische Umtausche erfolgen zum Kurs des Stichtags, und Auszahlungen an eigene Wallets sind meist nur bis zu einer Frist möglich. Viertens: die Steuer auf Stablecoins vergessen. Weil sich der Kurs kaum bewegt, halten viele den Tausch zurück in Euro für steuerlich bedeutungslos. Wegen des Dollarkurses entstehen aber oft kleine Gewinne oder Verluste, die in die Rechnung gehören. Fünftens: Zinsangebote ohne Prüfung annehmen. Wer hohe Renditen auf Stablecoins verspricht, muss das Geld irgendwo verdienen; je höher die Rendite, desto höher meist das Risiko.

Häufige Fragen: USDT vs. USDC

Was ist der Unterschied zwischen USDT und USDC?

Beide bilden den US-Dollar ab. USDT von Tether ist größer und weltweit verbreiteter, aber in der EU nicht nach MiCA zugelassen. USDC von Circle ist MiCA-konform, veröffentlicht monatliche Reservebestätigungen und hält konservativere Reserven.

Ist USDT in der EU verboten?

Nein. Zugelassene Börsen dürfen USDT seit Ablauf der MiCA-Übergangsfristen am 1. Juli 2026 nicht mehr anbieten. Privatpersonen dürfen USDT aber weiter halten, senden und auf dezentralen Börsen tauschen.

Welcher Stablecoin ist sicherer, USDT oder USDC?

USDC gilt wegen monatlicher Bestätigungen durch Deloitte, konservativer Reserven und Regulierung in den USA und der EU als transparenter. USDT hat einen größeren Reservepuffer, hält aber auch riskantere Anlagen wie Gold, Bitcoin und Kredite. Risikofrei ist keiner von beiden.

Können USDT und USDC eingefroren werden?

Ja. Beide Herausgeber können Adressen sperren. Tether tut das häufiger, oft auf Hinweise von Ermittlern, Circle vor allem auf rechtliche Anordnung. Normale Nutzer sind selten betroffen.

Was mache ich mit meinen USDT, wenn meine Börse sie delistet?

Lies die Mitteilung deiner Börse zu Fristen. Meist kannst du bis zu einem Stichtag tauschen oder an eine eigene Wallet auszahlen, danach wird automatisch umgetauscht. Jeder Tausch ist steuerlich eine Veräußerung.

Muss ich Gewinne mit USDC versteuern?

Ja, wenn sie innerhalb eines Jahres entstehen. USDC und USDT sind Kryptowerte nach Paragraf 23 EStG. Weil ihr Eurowert mit dem Dollarkurs schwankt, können beim Rücktausch in Euro Gewinne oder Verluste entstehen.

Gibt es einen Euro-Stablecoin?

Ja, zum Beispiel EURC von Circle, der MiCA-konform ist. Er vermeidet das Dollar-Risiko, ist aber weniger liquide und wird nicht überall unterstützt.

Unterm Strich: In der EU ist USDC seit Juli 2026 der Stablecoin, mit dem du an regulierten Börsen einfach handeln und in Euro zurücktauschen kannst. USDT bleibt weltweit größer und in DeFi und im internationalen Zahlungsverkehr wichtig, ist für Anleger in Deutschland aber umständlicher geworden. Bei beiden trägst du ein Herausgeberrisiko und ein Dollarrisiko, und bei beiden zählt der Tausch steuerlich. Dieser Text ist keine Anlage- oder Steuerberatung.

Risikohinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Kryptowerte sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich.

Quellen

  1. Tether: Transparenz und Reservebestätigungen
  2. Circle: USDC Transparenz und Reserven
  3. Stablecoin Insider: USDT Q2 2026 Report
  4. Stablecoin Insider: USDC Q2 2026 Report
  5. Stablecoin Insider: MiCA July 1 deadline for stablecoins in Europe
  6. The Paypers: Tether exits EU market as MiCA rules block USDT from exchanges
  7. DeGate: USDT in the EU after MiCA, what delisting means if you self-custody
  8. Forklog: Tether's profits surpass 10 billion dollars in 2025
  9. EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA)
  10. PwC: BMF-Schreiben zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung von Kryptowerten

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