
Was ist Staking? Proof of Stake einfach erklärt – woher die Rendite kommt, welche Coins passen, welche Risiken
Beim Staking setzt du Kryptowerte ein, um ein Proof-of-Stake-Netzwerk abzusichern, und erhältst dafür neue Coins. Wir erklären das Prinzip, rechnen echte Renditen gegen Inflation, vergleichen Staking über Börse, eigene Wallet und ETP und zeigen Risiken wie Slashing, Sperrfristen und die Steuer in Deutschland.
Was ist Staking? Beim Staking hinterlegst du Kryptowerte, damit ein Blockchain-Netzwerk sicher funktioniert, und bekommst dafür eine Belohnung in derselben Kryptowährung. Das funktioniert bei Netzwerken, die das Verfahren Proof of Stake nutzen, etwa Ethereum, Solana, Cardano oder Polkadot. Statt mit Rechenleistung wie bei Bitcoin wird dort mit eingesetztem Kapital entschieden, wer neue Blöcke erzeugen darf. Wer ehrlich mitarbeitet, wird belohnt, wer betrügt, kann einen Teil seines Einsatzes verlieren. Die Rendite liegt 2026 je nach Netzwerk grob zwischen 2 und 7 Prozent pro Jahr, bei Ether laut ethereum.org bei rund 2,5 Prozent. Wichtig ist, woher sie kommt: zum großen Teil aus neu geschaffenen Coins. Wer nicht stakt, wird verwässert, wer stakt, hält nur seinen Anteil. Hier steht, wie Staking genau funktioniert, was es real bringt, welche Wege es gibt, welche Risiken du kennen musst und wie die Erträge in Deutschland besteuert werden.
Staking auf einen Blick (Stand: November 2026)
- Prinzip
- Kryptowerte einsetzen, um Blöcke zu bestätigen, Belohnung in neuen Coins und Gebühren
- Voraussetzung
- Netzwerk mit Proof of Stake, nicht Bitcoin
- Ether
- Rund 2,5 Prozent laut ethereum.org; eigener Validator ab 32 ETH, Pools ab sehr kleinen Beträgen
- Cardano
- Etwa 2 bis 3 Prozent, keine Sperrfrist, kein Slashing
- Solana
- Gut 4 Prozent netto laut einem ETP-Emittenten, brutto etwas mehr
- Wege
- Börse oder Broker, eigene Wallet mit Delegation, Liquid Staking, Staking-ETP, eigener Validator
- Hauptrisiken
- Kursverlust, Slashing, Sperr- und Wartezeiten, Plattform- und Smart-Contract-Risiko
- Steuer in Deutschland
- Belohnungen meist sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG, Freigrenze 256 Euro
Proof of Stake einfach erklärt
Jede Blockchain braucht eine Regel, wer die nächste Seite im gemeinsamen Kassenbuch schreiben darf. Bitcoin nutzt Proof of Work: Miner lösen mit spezialisierten Computern eine Rechenaufgabe, und wer zuerst eine Lösung findet, darf den Block erzeugen. Die Sicherheit beruht darauf, dass ein Angriff enorme Mengen Strom und Hardware kosten würde. Proof of Stake ersetzt diese Rechenleistung durch eingesetztes Kapital. Wer mitmachen will, hinterlegt Coins als Sicherheit. Das Netzwerk wählt aus diesen Teilnehmern, den sogenannten Validatoren, nach einem Zufallsverfahren aus, wer Blöcke vorschlägt und wer sie bestätigt.
Damit niemand betrügt, steht der Einsatz auf dem Spiel. Ein Validator, der zum Beispiel zwei widersprüchliche Blöcke signiert, wird bestraft: Ein Teil seines Einsatzes wird vernichtet, und er wird aus dem Netzwerk ausgeschlossen. Das nennt man Slashing. Validatoren, die nur ausfallen, verpassen Belohnungen und verlieren je nach Netzwerk kleine Beträge. Ehrliche Validatoren erhalten dagegen regelmäßig neue Coins und einen Teil der Transaktionsgebühren. Die Sicherheit beruht also darauf, dass ein Angreifer sehr viel Kapital einsetzen müsste, das er bei einem Angriffsversuch verlieren würde.
Als Privatanleger musst du in der Regel keinen eigenen Validator betreiben. Bei den meisten Netzwerken kannst du deine Coins an einen Validator delegieren oder in einen Pool einzahlen. Der Validator übernimmt die Technik, behält eine Provision und gibt den Rest der Belohnung an dich weiter. Bei manchen Netzwerken wie Cardano bleiben deine Coins dabei sogar in deiner eigenen Wallet und sind jederzeit verfügbar. Bei anderen wie Ethereum oder Solana werden sie für die Dauer des Stakings gebunden und lassen sich nur mit einer Wartezeit wieder lösen.
Woher die Staking-Rendite kommt
Die Rendite beim Staking stammt aus zwei Quellen. Die erste und meist größere sind neu geschaffene Coins. Proof-of-Stake-Netzwerke geben laufend neue Coins aus, um Validatoren zu bezahlen, ähnlich wie Bitcoin seine Miner mit der Blockbelohnung bezahlt. Die zweite Quelle sind Transaktionsgebühren und bei Ethereum zusätzlich Einnahmen aus der Reihenfolge von Transaktionen in einem Block, im Fachjargon MEV. Wie groß jede Quelle ist, hängt vom Netzwerk und von der Nutzung ab. In Phasen mit viel Aktivität steigen die Gebührenanteile, in ruhigen Phasen sinken sie.
Daraus folgt der wichtigste Punkt für das Verständnis: Wenn ein großer Teil der Rendite aus neu geschaffenen Coins stammt, ist sie zum Teil keine echte Rendite, sondern ein Ausgleich für die Verwässerung. Ein Beispiel: Gibt ein Netzwerk pro Jahr 5 Prozent neue Coins aus und zahlt diese an alle Staker, bekommt ein Staker rund 5 Prozent mehr Coins. Wer nicht stakt, hält dieselbe Menge Coins, aber einen um rund 5 Prozent kleineren Anteil am Netzwerk. Die reale Rendite, also der Zuwachs des Anteils, ist für den Staker deutlich kleiner als die Zahl auf dem Bildschirm, und für den Nicht-Staker negativ.
| Neue Coins pro Jahr (Inflation) | Staking-Rendite | Anteil der Staker an allen Coins | Realer Zuwachs für Staker | |
|---|---|---|---|---|
| Netzwerk A | 5 Prozent | rund 7 Prozent | 70 Prozent | rund 2 Prozent |
| Netzwerk B | 1 Prozent | rund 3 Prozent | 30 Prozent | rund 2 Prozent |
| Netzwerk C | 0,5 Prozent, Gebühren hoch | rund 2,5 Prozent | 30 Prozent | rund 2 Prozent |
Die Tabelle ist eine Vereinfachung, sie zeigt aber, warum eine hohe Staking-Rendite nicht automatisch besser ist. Eine Rendite von 7 Prozent bei 5 Prozent Inflation bringt dir real ähnlich viel wie 3 Prozent bei 1 Prozent Inflation. Bei Ether hängt die Rechnung zusätzlich davon ab, wie viel der Gebühren dauerhaft vernichtet wird; in Phasen hoher Nutzung kann die Menge an Ether sogar schrumpfen. Wer Staking-Angebote vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf den Prozentsatz schauen, sondern auf die Inflation des Netzwerks und darauf, wie viel nach Provisionen tatsächlich ankommt.
Was Staking bei Ether, Solana und Cardano bringt
Ethereum stellte im September 2022 von Proof of Work auf Proof of Stake um. Ein eigener Validator braucht laut ethereum.org 32 ETH, seit dem Pectra-Update von 2025 kann ein Validator bis zu 2.048 ETH bündeln. Über Pools und Börsen ist Staking schon ab sehr kleinen Beträgen möglich. Die Rendite liegt laut ethereum.org aktuell bei rund 2,5 Prozent pro Jahr. Ein- und Austritt laufen über Warteschlangen, die je nach Andrang Stunden bis Wochen dauern können. Wer an einer Börse oder über Liquid Staking stakt, merkt davon wenig, trägt dafür aber andere Risiken.
Bei Solana delegierst du SOL an einen Validator. Gestakte SOL werden beim Lösen erst zum Ende einer Epoche frei, die etwa zwei bis drei Tage dauert. Die Rendite ist höher als bei Ether, weil Solana eine höhere Inflation hat; ein ETP-Emittent nennt für sein Solana-Staking-Produkt eine Netto-Rendite von gut 4 Prozent. Bei Cardano delegierst du ADA an einen Stake Pool, deine Coins bleiben dabei in der Wallet, es gibt weder Sperrfrist noch Slashing, und die Rendite liegt 2026 bei etwa 2 bis 3 Prozent. Unser Ratgeber zum Cardano Staking erklärt das Vorgehen Schritt für Schritt, und der Ratgeber zum Solana-ETF zeigt Staking-Produkte für das Wertpapierdepot.
| Rendite (Richtwert) | Sperr- oder Wartezeit | Slashing | Mindestbetrag | |
|---|---|---|---|---|
| Ether (ETH) | rund 2,5 Prozent | Warteschlangen, Stunden bis Wochen | Ja | 32 ETH eigener Validator, Pools ab Kleinstbeträgen |
| Solana (SOL) | gut 4 Prozent netto, brutto mehr | Rund eine Epoche, 2 bis 3 Tage | Bisher kein automatisches, diskutiert | Kleine Beträge möglich |
| Cardano (ADA) | etwa 2 bis 3 Prozent | Keine | Nein | Praktisch keiner, 2 ADA Pfand |
| Bitcoin (BTC) | Kein Staking, Proof of Work | Nicht anwendbar | Nicht anwendbar | Nicht anwendbar |
Die Renditen in der Tabelle sind Richtwerte und ändern sich laufend. Sie hängen davon ab, wie viele Coins insgesamt gestakt sind, wie stark das Netzwerk genutzt wird und welche Provision dein Validator oder deine Plattform verlangt. Prüfe vor einer Entscheidung die aktuellen Werte bei deinem Anbieter und bei unabhängigen Datenseiten. Und vergleiche immer mit der Inflation des Netzwerks, nicht mit Zinsen auf ein Tagesgeldkonto. Ein Staking-Ertrag ist kein Zins, sondern ein Zuwachs an Coins, deren Eurowert stark schwankt.
Ein Wort zum Begriff Validator: Bei Ethereum betreibt ein Validator eine Software, die rund um die Uhr online sein muss, um Blöcke zu bestätigen. Bei Solana sind Validatoren Server mit hohen Anforderungen an Rechenleistung und Bandbreite. Bei Cardano heißen die Betreiber Stake Pools. Wer delegiert, sollte bei der Wahl auf Verfügbarkeit, Provision und Größe achten und nicht automatisch den größten Anbieter wählen; eine breite Verteilung auf viele unabhängige Validatoren macht ein Netzwerk widerstandsfähiger.
Die Wege zum Staking im Vergleich
Es gibt fünf Wege, Kryptowerte zu staken, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wer deine Coins verwahrt und wie viel von der Rendite bei dir ankommt. Am einfachsten ist das Staking über eine Börse oder einen Broker. Du aktivierst es per Klick, die Plattform delegiert für dich und zahlt die Belohnungen nach Abzug ihrer Provision aus. Die Provision liegt je nach Anbieter oft bei 15 bis 35 Prozent der Belohnungen, und die Plattform verwahrt deine Coins. Seit MiCA müssen Anbieter in der EU zugelassen sein und Kundenvermögen getrennt halten.
Der zweite Weg ist die Delegation aus der eigenen Wallet. Du behältst die Kontrolle über deine Schlüssel und wählst einen Validator selbst. Die Rendite ist höher, weil keine Plattform mitverdient, aber du musst Wallet und Wiederherstellungsphrase selbst sichern. Der dritte Weg ist Liquid Staking: Du zahlst Coins in ein Protokoll wie Lido ein und erhältst einen Token, der deinen gestakten Bestand plus Belohnungen abbildet und den du handeln oder in DeFi einsetzen kannst. Das ist flexibel, bringt aber Smart-Contract-Risiken und das Risiko, dass der Token kurzzeitig unter seinem Wert gehandelt wird.
Der vierte Weg sind Staking-ETPs im Wertpapierdepot. Emittenten wie 21Shares, Bitwise oder CoinShares staken die hinterlegten Coins und geben einen Teil der Erträge über einen wachsenden Anspruch pro Stück weiter. Das ist bequem und steuerlich teils einfacher, kostet aber eine Produktgebühr und bringt Emittentenrisiko. Der fünfte Weg ist ein eigener Validator. Bei Ethereum braucht das 32 ETH, eigene Hardware, eine stabile Internetverbindung und technisches Wissen. Für die allermeisten Privatanleger ist das nicht der richtige Einstieg.
| Wer verwahrt | Rendite | Aufwand | Hauptrisiko neben dem Kurs | |
|---|---|---|---|---|
| Börse oder Broker | Plattform | Nach Provision, oft deutlich weniger | Gering | Plattform, Sperrfristen der Plattform |
| Delegation aus eigener Wallet | Du selbst | Fast volle Rendite | Mittel | Eigene Fehler, Slashing je nach Netz |
| Liquid Staking | Smart Contract | Fast volle Rendite minus Protokollgebühr | Mittel | Smart Contract, Abweichung des Tokens |
| Staking-ETP | Emittent und Verwahrer | Teilweise weitergegeben, minus Produktgebühr | Gering | Emittent |
| Eigener Validator | Du selbst | Volle Rendite | Hoch | Technik, Slashing |
Rechenbeispiel: 5.000 Euro in Ether staken
Angenommen, du hältst Ether im Wert von 5.000 Euro und stakst ihn ein Jahr lang. Bei 2,5 Prozent Netzwerkrendite und einem unveränderten Kurs wären das 125 Euro in neuen Ether. Über eine Börse mit 25 Prozent Provision kommen davon rund 94 Euro bei dir an. Über Liquid Staking mit 10 Prozent Protokollgebühr rund 112 Euro. Über ein ETP mit einer Gebühr von 0,5 Prozent und voller Weitergabe der Erträge rund 100 Euro, wobei die genaue Weitergabe je nach Produkt stark schwankt. Der Unterschied zwischen den Wegen beträgt also im Jahr einige Dutzend Euro, verglichen mit dem Kursrisiko eine kleine Zahl.
Rechnen wir das Kursrisiko dazu. Fällt Ether im selben Jahr um 30 Prozent, sind deine 5.000 Euro nur noch 3.500 Euro wert, plus die Staking-Erträge von rund 70 bis 90 Euro zum neuen Kurs. Steigt Ether um 30 Prozent, sind es 6.500 Euro plus Erträge von rund 120 bis 145 Euro. Das zeigt die Größenordnung: Staking ist ein Zusatzertrag auf Coins, die du ohnehin halten willst, aber kein Grund, einen Coin zu kaufen. Wer Staking als Zinsersatz betrachtet, unterschätzt das Kursrisiko um ein Vielfaches.
Die Risiken beim Staking
Das größte Risiko beim Staking ist nicht das Staking selbst, sondern der Kurs des gestakten Coins. Daneben gibt es fünf spezifische Risiken. Erstens Slashing: Macht dein Validator schwere Fehler, kann ein Teil des Einsatzes verloren gehen, bei Delegation teils auch deiner. Zweitens Sperr- und Wartezeiten: Bei vielen Netzen kannst du gestakte Coins nicht sofort verkaufen. Fällt der Kurs während der Wartezeit, kannst du nicht reagieren. Drittens das Plattformrisiko: Stakst du über eine Börse, verwahrt sie deine Coins, und im Fall einer Insolvenz hängt es von der rechtlichen Struktur ab, ob du sie zurückbekommst.
Viertens das Smart-Contract-Risiko bei Liquid Staking und DeFi: Ein Fehler im Code kann zu Verlusten führen, und Staking-Token können bei Marktstress unter den Wert der zugrunde liegenden Coins fallen. Fünftens Lockangebote: Plattformen oder Projekte, die zweistellige Staking-Renditen versprechen, finanzieren diese oft aus neu geschaffenen Token mit fallendem Wert, aus Hebelgeschäften oder schlicht aus den Einlagen späterer Kunden. Der Zusammenbruch mehrerer Krypto-Verleihplattformen im Jahr 2022 hat gezeigt, wie schnell solche Modelle scheitern. Eine Faustregel: Je höher die versprochene Rendite über der Netzwerkrendite liegt, desto genauer solltest du fragen, wer sie bezahlt.
Sechs Fragen, bevor du stakst
- Will ich diesen Coin ohnehin langfristig halten? Wenn nicht, ist Staking kein Grund, ihn zu kaufen.
- Wie hoch ist die Inflation des Netzwerks, und wie viel bleibt real nach der Verwässerung?
- Wer verwahrt meine Coins, und ist der Anbieter in der EU nach MiCA zugelassen?
- Gibt es eine Sperr- oder Wartezeit, und kann ich damit leben, in dieser Zeit nicht verkaufen zu können?
- Welche Provision behält die Plattform oder der Validator, und gibt es ein Slashing-Risiko für mich?
- Wie dokumentiere ich die Belohnungen für die Steuer, und liefert mein Anbieter einen Export?
Staking, Lending und Yield Farming: der Unterschied
Viele Plattformen werben mit Rendite auf Kryptowerte und nennen alles Staking, obwohl sehr unterschiedliche Dinge dahinterstehen. Echtes Staking bedeutet, dass deine Coins zur Absicherung eines Proof-of-Stake-Netzwerks eingesetzt werden und die Belohnung vom Protokoll selbst stammt. Beim Lending verleihst du Coins an andere, etwa an Händler, die mit Hebel handeln wollen, und bekommst dafür Zinsen vom Kreditnehmer. Das Risiko liegt dann beim Kreditnehmer und bei der Plattform, die den Kredit vermittelt. Beim Yield Farming stellst du Coins in DeFi-Protokollen als Liquidität bereit und erhältst Gebührenanteile und oft zusätzliche Belohnungstoken.
Für dich ist die Unterscheidung wichtig, weil die Risiken grundverschieden sind. Bei echtem Staking auf einem großen Netzwerk ist das Ausfallrisiko gering, solange du einen soliden Validator oder Anbieter wählst. Beim Lending hängt alles daran, dass Kreditnehmer zurückzahlen und die Plattform solide wirtschaftet; 2022 sind mehrere große Verleihplattformen mit Kundengeldern zusammengebrochen. Beim Yield Farming kommen Smart-Contract-Risiken und Kursverluste der Belohnungstoken hinzu. Lies bei jedem Renditeangebot, was mit deinen Coins tatsächlich passiert. Steuerlich werden Lending-Zinsen in Deutschland meist ähnlich behandelt wie Staking; unser Ratgeber zur Krypto-Lending-Steuer erklärt die Einzelheiten.
Ein Hinweis zu Bitcoin: Weil Bitcoin Proof of Work nutzt, gibt es kein echtes Bitcoin-Staking. Angebote unter diesem Namen verleihen deine Bitcoin, setzen sie auf anderen Blockchains als Sicherheit ein oder nutzen neuere Protokolle, die Bitcoin als Pfand für andere Netzwerke verwenden. Das kann funktionieren, trägt aber andere und oft höhere Risiken als das Halten von Bitcoin selbst.
Staking und Regulierung in der EU
Die MiCA-Verordnung regelt Staking nicht als eigenen Dienst, aber sie erfasst die Anbieter. Eine Börse oder ein Broker, der für Kunden Kryptowerte verwahrt und stakt, braucht eine Zulassung als Kryptowerte-Dienstleister und muss Kundenvermögen getrennt vom eigenen halten. Wer dagegen selbst aus der eigenen Wallet an einen Validator delegiert, hat keinen Anbieter dazwischen und damit auch keinen, der dir gegenüber nach MiCA haftet. Bei Liquid-Staking-Protokollen ist die Lage wie bei DeFi insgesamt: Vollständig dezentrale Dienste fallen nach Erwägungsgrund 22 nicht unter MiCA. Was das bedeutet, erklärt unser Ratgeber Was ist DeFi.
Steuer: Staking in Deutschland
Staking-Belohnungen sind für Privatanleger in Deutschland nach dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 6. März 2025 in der Regel sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nummer 3 Einkommensteuergesetz. Steuerpflichtig ist der Eurowert der Belohnung zum Zeitpunkt des Zuflusses. Für diese Einkünfte gilt eine Freigrenze von 256 Euro im Jahr: Liegen deine gesamten Einkünfte dieser Art darunter, bleiben sie steuerfrei, liegen sie darüber, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Die erhaltenen Coins haben den versteuerten Zuflusswert als Anschaffungskosten und eine eigene Haltefrist von einem Jahr. Verkaufst du sie innerhalb dieser Frist mit Gewinn, ist das zusätzlich ein privates Veräußerungsgeschäft.
Eine früher viel diskutierte Frage hat das BMF geklärt: Die Haltefrist der gestakten Coins selbst verlängert sich durch das Staking nicht auf zehn Jahre. Es bleibt bei einem Jahr. Bei Liquid Staking kommt eine weitere Frage hinzu: Ist der Tausch von Ether in einen Staking-Token ein Verkauf? Das hängt nach dem BMF-Schreiben von der technischen Gestaltung ab und ist einer der Punkte, an denen sich eine Steuerberatung lohnt. Bei Staking-ETPs fließt dir nichts direkt zu, die Erträge erhöhen den Wert der Stücke und werden nach überwiegender Darstellung erst beim Verkauf erfasst. Wie die Einträge in die Anlage SO kommen, zeigt unser Ratgeber zum Ausfüllen der Anlage SO.
Ein Beispiel: Du stakst über das Jahr Ether und Cardano und erhältst Belohnungen im Wert von zusammen 230 Euro zum jeweiligen Zuflusszeitpunkt. Das liegt unter der Freigrenze, und die Einkünfte bleiben steuerfrei, sofern du keine weiteren sonstigen Einkünfte dieser Art hast. Kommen 50 Euro aus einer Lending-Plattform hinzu, liegst du bei 280 Euro und versteuerst den ganzen Betrag mit deinem persönlichen Satz. Weil viele Netzwerke täglich oder alle paar Tage Belohnungen gutschreiben, entstehen schnell hunderte Einträge. Ein Export deiner Plattform oder ein Steuer-Tool erleichtert die Dokumentation erheblich.
Häufige Fragen: Was ist Staking?
Was ist Staking einfach erklärt?
Du hinterlegst Kryptowerte, damit ein Proof-of-Stake-Netzwerk Blöcke sicher bestätigen kann, und bekommst dafür neue Coins als Belohnung. Wer betrügt, kann einen Teil seines Einsatzes verlieren. Bitcoin kennt kein Staking.
Wie viel bringt Staking?
2026 grob 2 bis 7 Prozent pro Jahr, je nach Netzwerk. Bei Ether rund 2,5 Prozent laut ethereum.org, bei Cardano etwa 2 bis 3 Prozent. Ein großer Teil stammt aus neu geschaffenen Coins, real bleibt deshalb weniger.
Ist Staking sicher?
Das Staking selbst ist bei großen Netzwerken vergleichsweise risikoarm. Die Hauptrisiken sind der Kurs des Coins, Slashing, Sperrfristen, das Risiko der Plattform und bei Liquid Staking Smart-Contract-Fehler.
Kann ich meine Coins beim Staking verlieren?
Durch Slashing kann ein Teil verloren gehen, wenn dein Validator schwere Fehler macht, bei Cardano nicht. Häufiger sind Verluste durch Kursstürze, Plattforminsolvenzen oder Betrug bei unseriösen Angeboten.
Wo sollte ich staken, Börse oder Wallet?
Börsen sind bequem, behalten aber eine Provision und verwahren deine Coins. Die eigene Wallet bringt mehr Rendite und Kontrolle, verlangt aber Sorgfalt bei der Sicherung. Staking-ETPs sind eine Option für das Wertpapierdepot.
Kann man Bitcoin staken?
Nein, Bitcoin nutzt Proof of Work. Angebote, die Bitcoin-Staking versprechen, verleihen deine Bitcoin meist oder setzen sie in anderen Protokollen ein. Das ist kein Staking im eigentlichen Sinn und trägt andere Risiken.
Muss ich Staking-Erträge versteuern?
Ja, als sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nr. 3 EStG mit dem Eurowert bei Zufluss, Freigrenze 256 Euro im Jahr. Die erhaltenen Coins haben eine eigene Haltefrist von einem Jahr.
Kurz gesagt: Staking ist die Art, wie Proof-of-Stake-Netzwerke ihre Sicherheit bezahlen. Für dich als Anleger ist es ein Zusatzertrag auf Coins, die du ohnehin hältst, der vor allem die Verwässerung durch neue Coins ausgleicht. Wähle den Weg nach Verwahrung, Provision und Sperrfristen, prüfe hohe Renditeversprechen kritisch und dokumentiere die Belohnungen für die Steuer. Die Entwicklung der großen Kryptowerte findest du unter /marktdaten/maerkte. Dieser Text erklärt Grundlagen und ist keine Anlage- oder Steuerberatung.
Risikohinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Kryptowerte sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich.
Quellen
- ethereum.org: Ethereum-Staking
- Cardano Docs: Delegation and staking
- Trezor: Staking Cardano (ADA) in Trezor Suite
- Bitwise Europe: Bitwise Solana Staking ETP
- Blockdaemon Docs: Cardano Annual Percentage Yield
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA)
- PwC: BMF-Schreiben zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung von Kryptowerten


